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Tausche Kinder schauen gegen Rasen mähen
In St. Georgen an der Stiefing soll künftig eine Zeit- und Hilfsbörse angeboten werden. Bürger können dabei ihre Talente zur Verfügung stellen. Zwei andere Tauschkreise schliefen ein.

Foto © PrivatInteressiert am "Zeit-Hilfs-Netz" in St. Georgen an der Stiefing: Bürgermeister Wolfgang Neubauer (rechts), Gemeindekassier Elfriede Obendrauf (2.v.l.) mit engagierten Bürgern. Betreut wird das Projekt von Elfriede Reismann (Mitte/orange Jacke) und Astrid Holler (7.v.l.)
Tausche einmal "Kinder aufpassen" gegen zehn Flaschen selbst gepressten Apfelsaft, wechsle das Bauen einer Kräuterspirale gegen Nachhilfe in Englisch oder gegen 200 Zeit-Minuten - nach diesem Prinzip funktionieren Zeit- und Hilfsbörsen. In der Steiermark wird das Interesse an solchen Talentebörsen immer größer, einige sind im Aufbau. So forciert auch die Landentwicklung Steiermark diese Hilfsdienste. Es gibt einige Pilotprojekte, eines davon auch in St. Georgen an der Stiefing.
Dort fand vergangenen Dienstag ein Informationsabend statt. "Die Leute schenken ihre Zeit hin und her. Es ist eine Art organisierte Nachbarschaftshilfe", ist Bürgermeister Wolfgang Neubauer von diesem Konzept überzeugt. Für geleistete Hilfsdienste gibt es ein Guthaben in der Zeitbörse, welches wiederum für andere Dienste eingelöst werden kann. Verwaltet wird dieses Zeitkonto von der Gemeinde. Für junge Gemeindebürger wird überlegt, ein Gutscheinheft (mit Eintritten ins Kino, ins Schwimmbad und Ähnlichem) anzubieten.
Der Hintergrund: In der Gemeinde will man künftig betreubares Wohnen anbieten. Um Wohnbauförderung wurde angesucht. Bereits im kommenden Winter könnte Baubeginn sein. Acht bis zehn Wohneinheiten sind geplant. "Wir wollen die betreubaren Dienste selbst anbieten", erklärt Bürgermeister Neubauer. Er hofft also, dass engagierte Bürger mit den Heimbewohnern Karten spielen, sie zum Arzt oder Friseur begleiten oder mit ihnen Zeit verbringen.
Eines betont Neubauer: "Schwarzarbeit soll natürlich nicht gefördert werden. Es wird nichts bezahlt, es gibt keine Verpflichtungen. Wir wollen einfach die Nachbarschaftshilfe verbessern." Nun müssen noch einige rechtliche und administrative Dinge geklärt werden, etwa was den Versicherungsschutz und die Verwaltung betrifft. Läuft alles nach Plan, könnte man bis Ende April starten.
Auf Eis gelegt
Die Idee dieser Hilfsbörsen ist nicht neu. In der Südsteiermark wurden bereits vor einigen Jahren zwei Tauschringe ins Leben gerufen. Diese sind aber wieder eingeschlafen. "Unseren Tauschring gibt es offiziell nicht mehr. Wir hatten zu wenig Mitglieder, es war zu aufwendig", erzählt Ulrike Majczan aus Bad Radkersburg. 1999 wurde der Tauschring Kürbis gegründet, vor einem Jahr stillgelegt. Zuletzt gab es nur noch eine Handvoll aktiver Mitglieder: Hermine Illmeier, Maria Klampfer, Günther Maier und Ulrike Majczan treffen sich hin und wieder, um etwa gemeinsam ins Theater zu gehen.
Auch der südsteirische Tauschkreis wurde laut der Verantwortlichen Doris Pridal "auf Eis gelegt": "Wir waren 30 bis 50 Leute, es gab einen Austausch von Erfahrung, Wissen und vielen Sachen." Sie kann sich aber vorstellen, die Runde wieder zu aktivieren: "Es gehört wieder intensiviert."





