Komm, spiel mit mir!
Der neue Kindergarten in Ratsch präsentiert sich als "energiekostenneutrale Spielmaschine".

Foto © Gabor SchlosserDie Konstruktion auf Stelzen schafft jede Menge überdachten Spielplatz
Energiesparen ist eines der großen Themen der Zukunft. Es ist pädagogisch nur vernünftig, wenn das schon die Kleinsten lernen. Und wo könnte man besser damit anfangen als im Kindergarten? Als idealer Ort für das Experiment hat sich Ratsch an der Weinstraße gefunden.
"Für eine kleine Gemeinde ist ein Kindergarten ja schon ein Luxus - er sollte sich also für Generationen rechnen", erklärt der Architekt Alberto Bach, der hier den Auftrag erhielt, den "ersten energiekostenneutralen Kindergarten Österreichs" zu planen.
Form und Funktion
Ganz nebenbei waren auch noch die Kneipp-Richtlinien und Montessori-Grundsätze zu berücksichtigen. Im Wesentlichen ging es also um eine Architektur mit maximalem Bezug zur Natur, um ein Gebäude, das bei all seiner Durchlässigkeit und Transparenz aber auch viel Schutz bietet. Bach entschied sich für ein Gebäude in U-Form, das quasi mit einer Hüfte im Hang steht - der zweite Flügel wurde auf Säulen gestellt. Eine luftige Holzbrückenkonstruktion verbindet beide Teile, eine Holztreppe führt in einen von allen Seiten einsehbaren Freibereich.
Die Vorteile liegen auf der Hand: Der Atrium-Charakter des Baus bietet den Kleinen maximale Rückendeckung, sprich Geborgenheit, gleichzeitig sind die Kinder immer im Blickfeld ihrer Betreuer. Der eigentliche Clou ist allerdings die Konstruktion auf Stelzen. Sie macht das Haus zur "Spielmaschine", die bei (fast) jedem Wetter funktioniert: weil sich unter dem Haus ein überdachter Spielplatz bietet, auf dem ganz nach Lust und Laune Seile und Netze für den Spaß gespannt werden können.
Natur pur
"Kinder gehören so oft wie möglich hinaus in die Natur", ist Bach überzeugt, was auch erklärt, warum Passivhausstandards hier keine Überlegung waren: Die funktionieren einfach nicht bei einem unkontrollierten Auf und Zu der Fenster und Türen.
Die Heizung mit Erdwärme, Warmwasserbereitung mit Solarpaneelen und eine Fotovoltaikanlage machen das Gebäude ohnehin energiekostenneutral. "Die Investitionen sollten sich binnen 16 Jahren amortisieren", sagt der Planer. "Durch die nachhaltige Bauweise leben die Kinder bereits jetzt eine positive Zukunftsversion und auch das Gebäude selbst stellt keine Belastung für die Zukunft dar." Der Strom aus der Fotovoltaikanlage wird ins Netz eingespeist. "Im Prinzip ist der Kindergarten schon als Insellösung konzipiert", sagt Bach. Noch sind die Akkus, die man bräuchte, aber schlichtweg nicht leistbar.
Features
Fotoserie
Das Projekt
370 m2 Nettofläche für den Kindergarten, 86 m2 Dienstwohnung. Mischkonstruktion aus Beton, Ziegel und Holz.
Bauzeit: März 2010 bis August 2010.
Energie: 29,5 m2 Solarpaneele für
die Warmwasserbereitung, 71,5
m2 Fotovoltaik, Heizung mit Erdwärme.
Besichtigungen nach
Voranmeldung möglich.
Planung: Albertoni-Architektur,
Porzellangasse 49, 1090 Wien









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