Südsteirischer Fleischverarbeitungsbetrieb Köhrer auf Expansionskurs
Während andere Firmen Arbeitsplätze abbauen, findet Alois Köhrer für seinen Fleischverarbeitungsbetrieb zu wenig einheimische Fachkräfte.

Foto © Robert LenhardDer Fleischverarbeitungsbetrieb Köhrer segelt auf Expansionskurs
Gegessen wird immer - eine Volksweisheit, die Alois Köhrer nur unterstreichen kann. Während rundherum Arbeiter in die Kurzarbeit geschickt oder gekündigt werden, segelt er mit seinem Fleischverarbeitungsbetrieb auf Expansionskurs. Seit September 2008 hat der Spezialist für die Entknochung von Schweine- und Rinderköpfen die Belegschaft an den beiden Standorten Ragnitz und Groß St. Florian von 32 auf 80 aufgestockt. Tendenz weiter steigend.
Zu wenig qualifizierte Kräfte. Allein, am heimischen Arbeitsmarkt gibt es viel zu wenig qualifizierte Kräfte. "Weil in den letzten Jahren immer weniger Fleischerlehrlinge ausgebildet wurden, mangelt es jetzt an Fachkräften", ist Köhrer gezwungen, auf ausländische Fleischer, vor allem aus Ungarn, zurückzugreifen. Kritik, sich bewusst billiger Arbeitskräfte aus dem Osten zu bedienen, weist Köhrer entschieden zurück: "Ausländer bekommen ja nur eine Beschäftigungsbewilligung, wenn sie ausgebildete Fachkräfte sind und der Bedarf durch den heimischen Arbeitsmarkt nachweislich nicht abgedeckt werden kann." Die Bezahlung erfolge laut gültigem Fleischer-Kollektivvertrag.
Umschulung. Der Nationalratsabgeordnete Josef Muchitsch (SP) machte sich im Rahmen eines Lokalaugenscheins am Standort Groß St. Florian für Umschulungsmaßnahmen stark: "Wenn es in einer Branche Bedarf an Arbeitskräften gibt, muss in Zeiten wie diesen reagiert werden." Es sei schlichtweg tragisch, dass am regionalen Arbeitsmarkt keine Fleischer aufzutreiben seien, sieht Muchitsch das AMS gefordert.
Davon unabhängig will Köhrer selbst aktiv werden und Interessierte speziell für seine Erfordernisse ausbilden: "Jeder, der arbeitswillig ist und etwas Neues versuchen will, ist willkommen."
250 Tonnen Fleisch pro Woche. An Arbeit dürfte es in nächster Zeit jedenfalls nicht mangeln. An beiden Standorten zusammen werden pro Woche rund 250 Tonnen Fleisch verarbeitet. Die Rohware bezieht Köhrer vorwiegend aus Österreich und Deutschland. Mit dem aus den Schweineköpfen ausgelösten Fleisch werden Wursterzeuger in ganz Europa beliefert. "Die größten Abnehmer sind die Slowakei, Tschechien und Ungarn", erklärt Köhrer. Die Schweineohren werden getrocknet und weltweit als Hundefutter an den Großhandel verkauft. "Das sind die Frankfurter für die Hunde", schmunzelt Köhrer. 2008 wurden vier Millionen Stück erzeugt, heuer soll die Produktion auf zehn Millionen gesteigert werden.
Lagerkapazitäten. Vergrößern will Köhrer auch seine Lagerkapazitäten. Das in Groß St. Florian bestehende Tiefkühllager für vier Millionen Kilogramm Fleisch soll um weitere zehn Millionen Kilogramm erweitert werden. "Das Projekt ist baureif", rechnet Köhrer mit einer Umsetzung im Jahr 2010.









