Wenn die Musik in den Ohren zur ewigen Leier wird
Graz schränkt ab Mitte Juli das Musizieren auf Straßen ein. Die Geschäftsleute zeigen sich erleichtert, die Musiker wollen nicht stören. Nur Bruck ist ähnlich restriktiv unterwegs.

Foto © Scheriau | Archivbild
Graz hat mit einer neuen Straßenmusikverordnung die Regeln für das Musizieren in der Innenstadt verschärft. Kinder unter 15 dürfen nicht mehr auf den Straßen Musik machen, die Spielzeit pro Spielort wird von einer Stunde auf eine halbe Stunde reduziert. Die Musikanten müssen mit fünf Metern Abstand zu den Geschäftseingängen aufspielen. Jede Gruppe darf nur noch dreimal in der Woche auftreten, es gelten neue, verkürzte Spielzeiten samt einer Mittagspause zwischen 14 und 15 Uhr . . . Mitte Juli wird die Verordnung veröffentlicht und tritt damit in Kraft.
Für die Straßenmusikanten ist es ein starkes Stück, das da am Donnerstag im Grazer Gemeinderat mit den Stimmen von ÖVP, FPÖ und BZÖ beschlossen worden ist. Letztere meinen, so den zahlreichen Anrainerbeschwerden gerecht zu werden.
Wenn die Musi stört . . .
Trompeter Stefan Balogh aus der Slowakei spielt mit seinem Bruder in der Herrengasse regelmäßig Jazzstandards und kann die Verschärfung nicht verstehen: "Wir machen gute Musik, sorgen für städtisches Flair und spielen überall in Europa, auch auf Festivals. Wenn jemanden meine Musik stört, gehen wir weg und spielen woanders."
Kontrollierte Standortwechsel und kürzere Spielzeiten wiederum halten die Anrainer Helga Fraidl und Rüdiger Wulf von Brillen Fielmann für längst notwendig: "Das muss halt auch kontrolliert werden", meinen sie.
. . . gehen wir
Musiker "Sijus" gibt mit seinem Didgeridoo und Trommeln häufig in der Stempfergasse sein Bestes. "Ich will niemanden stören. Aber wenn jetzt die Spielzeit verkürzt wird, hab ich ein Problem, weil das Didgeridoo allein schon eine halbe Stunde braucht, bis es überhaupt warm wird."
Traude Dolejschi vom Vogue-Geschäft gleich nebenan, "nervt vor allem die immer gleiche Musik, die Leute hier seit Jahren spielen. Wir schalten unsere eigene Musik aus, weil eh von draußen die Bläser und das Didgeridoo als eigene Mischung hereindröhnen. Das wird dann zur ewigen Leier."
Auch in anderen Verkaufsgeschäften in der Herrengasse gibt es nur einen Tenor: Man hofft auf Erleichterung.
Auch Bruck regelt streng
Probleme mit Straßenmusikern gibt es der Steiermark sonst nur in Bruck. Straßenmusikanten müssen sich bei der Stadtpolizei anmelden. Weil das Spielen in der Fußgängerzone von Anrainern und Passanten als aggressives Betteln empfunden worden ist, war man in letzter Zeit mit den Bewilligungen zurückhaltend. In Leibnitz und Leoben etwa brauchen Straßenmusiker keine Genehmigung, sie werden als Belebung geschätzt.
Features
Fakten
Die neue Straßenmusikverordnung tritt ab Mitte Juli in Kraft. Für Kinder unter 15 Jahren gilt ein Musikverbot.
Musiziert werden darf nur noch von 10 bis 14 und von 15 bis 21 Uhr.
Musiker müssen jede halbe Stunde den Spielort wechseln (bisher jede Stunde). Die gleichen Musiker dürfen nur noch drei Mal pro Woche auf den Grazer Straßen spielen.








