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Zuletzt aktualisiert: 03.01.2012 um 20:19 UhrKommentare

Die Hauptstadt des Feinstaubs

Nirgendwo in ganz Österreich war die Feinstaubbelastung letztes Jahr höher als in Leibnitz. Zwei Drittel der gefährlichen Kleinstpartikel in der Luft kommen aber von außerhalb.

Dicke Luft über den Dächern von Leibnitz war im Vorjahr keine Seltenheit. Die Messstation in der Lastenstraße registrierte 76 "Feinstaubtage"

Foto © LenhardDicke Luft über den Dächern von Leibnitz war im Vorjahr keine Seltenheit. Die Messstation in der Lastenstraße registrierte 76 "Feinstaubtage"

Die Fakten sind staubtrocken: 76 Mal registrierte die Messstation in der Leibnitzer Lastenstraße im Vorjahr einen "Feinstaubtag". Darunter versteht man eine Überschreitung des Tagesgrenzwerts von 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft. Damit ist amtlich, was sich schon länger abzeichnete: Leibnitz ist die Feinstaub-Hauptstadt Österreichs. Nirgendwo anders im gesamten Bundesgebiet gab es mehr "Feinstaubtage". Unmittelbar dahinter liegt die Landeshauptstadt Graz, mit etwas Abstand folgt die Bundeshauptstadt Wien (siehe Infokasten).

Dass sich die Freude über diesen Negativrekord beim Leibnitzer Bürgermeister Helmut Leitenberger in Grenzen hält, versteht sich von selbst: "Mich stört, dass immer nur von der Feinstaub-Hauptstadt Leibnitz die Rede ist. Die Messstation steht zwar bei uns, das Problem betrifft aber das gesamte Umland. Das muss man großflächiger sehen." Genau aus diesem Grund wurde im Herbst 2010 ein großräumiges Luftgüteüberwachungsprojekt der Großräume Südsteiermark, Unterkärnten und Nordslowenien gestartet.

Feinstaub-Import

Der Endbericht soll diesen Mai in Marburg präsentiert werden, Zwischenergebnisse liegen aber bereits am Tisch. Demnach kommen zwei Drittel des Feinstaubs im Großraum Leibnitz von außerhalb. Nur ein Drittel wird lokal produziert. "Die großräumigen Verfrachtungen kommen mit der Luft aus Südost- und Osteuropa in die Südsteiermark", weiß Thomas Pongratz von der Luftgüteüberwachung des Landes Steiermark. Die größten regionalen Verursacher seien der Hausbrand, die Landwirtschaft (Ammoniakpartikel aus der Tierhaltung) und der Verkehr.

Unbekannt ist allerdings noch die exakte Zusammensetzung der gefährlichen Mikropartikel. "Das wird gerade intensiv untersucht", erklärt Pongratz. Dann sei es auch möglich, den Maßnahmenhebel effizienter anzusetzen. "Bis jetzt können wir nicht viel mehr machen, als die Straßen regelmäßig zu kehren und die Leute zu mehr Eigenverantwortung zu animieren", meint Leitenberger.

Keine Wunder darf man sich von dem bei der Messstation aufgestellten Luftreinigungssystem erwarten. Nach drei Monaten Testbetrieb konnte keine Verbesserung festgestellt werden. "Es war ein Versuch, der uns nichts gekostet hat", so Leitenberger nüchtern.

ROBERT LENHARD

FAKTEN

Unter Feinstaub (PM10) versteht man Teilchen, deren Durchmesser weniger als 10 Mikrometer, das sind 0,01 Millimeter, beträgt.

Der Tagesgrenzwert liegt bei 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft und darf laut österreichischer Gesetzeslage an 25 Tagen im Jahr überschritten werden.

Die meisten Überschreitungen gab es 2011 bei den Messstationen in Leibnitz (76), Graz Don Bosco (75), Graz Süd Tiergartenweg (66), Wien Rinnböckstraße (61) und Wien Liesing (60).

Auch in Klöch wurde das Limit mit 26 "Feinstaubtagen" knapp überschritten.

Deutschlandsberg blieb mit 20 Überschreitungen knapp unter dem Jahresgrenzwert.

Quelle: Verkehrsclub Österreich

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