Koralmbahn-Baustelle: Ärger um die Aufforstung
Im Leibenfeld bei Deutschlandsberg soll ab Herbst im Auftrag der ÖBB ein drei Hektar großes Brachland aufgeforstet werden. Es gibt aber Kritik: Es wäre besser, das Areal als Acker zu nutzen.

Foto © PrivatIm Leibenfeld bei Deutschlandsberg soll ab Herbst ein Waldstück als Ausgleich für Rodungen beim Eisenbahnbau angelegt werden. Es gibt aber etliche Kritiker
Es ist ein Wahnsinn, teuer gewonnenes Ackerland dem Wald zu überantworten", wundert sich derzeit Markus Reisinger, Obmann des Seniorenbundes in Deutschlandsberg. Er ist nicht der einzige Weststeirer, der derzeit über die Pläne der ÖBB Infrastruktur AG den Kopf schüttelt: "Es wäre wohl sinnvoller, Waldlichtungen am Berg aufzuforsten als Ackerland im Tal. Aber das haben nicht wir entschieden", erklärt Deutschlandsbergs Bürgermeister Josef Wallner. Ihm zufolge hätte es einige Interessenten für eine Aufforstung an anderen Orten gegeben.
Was war geschehen? Die ÖBB Infrastruktur AG, zuständig für die Errichtung der Koralmbahn, plant, in der Katastralgemeinde Leibenfeld zwei Ackergrundstücke in der Gesamtfläche von 3,17 Hektar aufzuforsten. 2,13 Hektar gehören laut Grundbuchsauszug dem Wirtschafts- und Entwicklungsverein der Stadtgemeinde, ein Hektar besitzt Elisabeth Schubert.
Diese Aufforstung erfolgt als Ausgleichsmaßnahme dafür, dass bei der nahen Koralmtunnelbaustelle im Leibenfeld Waldflächen gerodet wurden. "Das wurde im Zuge des UVP-Verfahrens vorgeschrieben. Die Aufforstungsflächen sind Vorschrift", klärt Erhard Katzianer, Projektkoordinator bei den ÖBB, auf.
Für Aufregung sorgt aber nicht das neue Waldstück an sich, sondern der gewählte Ort: Ein Brachland, das an weitere Ackerflächen grenzt, am Stadtrand. "Künftig ragt ein Quadrat von 180 mal 180 Meter Wald in eine landwirtschaftlich genutzte Fläche hinein", schildert Reisinger, Mitbegründer des Seniorenwanderweges, der an dem Areal vorbeiführt. "Dort einen Wald anzupflanzen und einzuzäunen, ist das unsinnigste, das man machen kann." Er bekrittelt auch die Kosten: Laut Servitutsvertrag hat allein der Wirtschafts- und Entwicklungsverein eine Einmalzahlung von knapp 122.000 Euro (ohne Mehrwertsteuer) erhalten.
Aufforstung ab Herbst
Die Kosten kann Koralmbahn-Projektleiter Gerhard Harer nicht bestätigen - sehr wohl aber den Sinn der ausgewählten Ausgleichsfläche: "Man kann nicht in Deutschlandsberg eine Fläche roden und in Leibnitz wieder aufforsten." Und weiter: "Von einem hochwertigen Ackerland zu reden, ist übertrieben. Wir haben es uns nicht leicht gemacht. Ich verstehe die Aufregung nicht."
Die Aufforstung, fachlich abgestimmt mit der Bezirksforstbehörde, soll im Herbst beginnen.








