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Zuletzt aktualisiert: 08.07.2009 um 23:13 UhrKommentare

Getrübte Aussichten am Kainberg

Ein riesiger Bau in exponierter Lage sorgt für Wirbel. Anrainer spricht von einem Fremdkörper, Behörde und Bauherr verneinen das.

Blick vom Kogelberg auf den Kainberg

Foto © PrivatBlick vom Kogelberg auf den Kainberg

Ein geplantes Bauvorhaben am Kainberg, nahe dem Kogelberg in der Marktgemeinde Kaindorf an der Sulm, sorgt derzeit für Gesprächsstoff. Konkret geht es um einen als Einfamilienhaus eingereichten Bau, der auf einem exponierten Höhenrücken entstehen soll.

Fremdkörper in Natur. Was man dort schon bald von weitem sehen könnte, ist einem Anrainer allerdings ein Dorn im Auge. "Mir geht es nicht um persönliche Befindlichkeiten, sondern um den Landschaftsschutz", betont der Anrainer, der aber nicht namentlich genannt werden möchte. Aufgrund seiner für die Region untypischen Größe und Architektur sei der Flachdach-Bau schlichtweg ein Fremdkörper in der Landschaft. "Laut Einreichplan sind die Hauptabmessungen des Baus fast mit denen vom Eurospar in Leibnitz vergleichbar. Die gesamte verbaute Fläche beträgt über 1500 Quadratmeter. Das entspricht mehr als zehn durchschnittlichen Einfamilienhäusern", rechnet der Anrainer vor. Kurzum: Das großzügig dimensionierte Domizil sei nicht mit dem Orts- und Landschaftsbild vereinbar.

Behörde gibt grünes Licht. Anderer Meinung ist die Bezirkshauptmannschaft Leibnitz. Weil das Grundstück in einem Landschaftsschutzgebiet liegt, ist zusätzlich zum Baubescheid auch eine naturschutzrechtliche Bewilligung erforderlich. Diese wurde von der BH Mitte Mai erteilt, der Bescheid ist rechtskräftig. Als Basis dafür diente ein Gutachten der Baubezirksleitung Leibnitz, die in solchen Belangen den Sachverständigendienst für die BH erledigt.

Keine Beeinträchtigungen. "Ursprünglich wurde das Projekt ganz anders eingereicht. Die Anzahl der Geschosse wurde von uns von zwei auf eines reduziert. Außerdem haben wir umfangreiche ökologische Begleitmaßnahmen sowie die Farbgebung vorgeschrieben", erklärt Horst Becker, stellvertretender Chef der Baubezirksleitung. Durch die Summe dieser Maßnahmen seien keine wesentlichen Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes zu erwarten. Auf die Größe habe man keinen Einfluss. Diese werde ausschließlich durch die Bebauungsdichte geregelt.

Folgeschaden. Der enttäuschte Anrainer gibt sich damit allerdings nicht zufrieden: "Mit einer Bewilligung für diesen Bau widerspricht die Behörde ihren eigenen Vorgaben. Ich befürchte, dass hier ein Präzedenzfall geschaffen wird, der noch viel Schaden anrichten wird." Davon soll auch Kaindorfs Bürgermeister Kurt Stessl überzeugt werden. In einem Brief, dem selbst erstellte Foto-Grafiken beigefügt sind, bittet der Nachbar den Ortschef, zu reagieren. "Bis jetzt gibt es aber keine Antwort", so der Anrainer.

Fehlende UNterlagen. Das dürfte auch noch länger so bleiben. Die Bauverhandlung hat zwar schon stattgefunden, einen Baubescheid seitens der Gemeinde gibt es aber noch nicht. "Es fehlen noch einige Unterlagen. Solange es sich um ein laufendes Verfahren handelt, darf ich mich leider nicht dazu äußern", bittet Stessl um Verständnis.

"Maßlose Übertreibung". Gesprächiger ist der Bauherr, Wilhelm Zirngast. Der Leibnitzer Unternehmer, unter anderem auch Gesellschafter des neuen Fachmarktzentrums "Basta", kann die Aufregung um seinen Bau nicht nachvollziehen: "Es ist eine Tatsache, dass ich mich an die rechtlichen Vorgaben halte. Es gibt nur diesen einen Nachbarn, der maßlos übertreibt." Schließlich handle es sich lediglich um ein größeres Einfamilienhaus mit "nur" 600 Quadratmetern Wohnfläche. Läuft alles nach Plan, will Zirngast noch heuer mit den Bauarbeiten beginnen.

ROBERT LENHARD

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