Wartezeiten in Spitälern: Die Opfer sind die Patienten
Überlaufene Spitalsambulanzen, endlose Wartezeiten: Warum das System versagt und wer es ändert.

Foto © APA/SujetAn der EBA ("Erstversorgung, Beobachtung, Aufnahme") der Ambulanz am Universitätsklinikum Graz brachte man es 2008 auf 27.000 Fälle
Egal, welche Spitäler man untersucht: Die Spitalsambulanzen in der Steiermark können den Ansturm der Hilfesuchenden kaum noch bewältigen. In Deutschlandsberg ist die Zahl der Patienten der internistischen Notfallambulanz auf 9000 Patienten gestiegen 2002 waren es noch 5600 Menschen.
Budgetnöte
An der EBA ("Erstversorgung, Beobachtung, Aufnahme") der Ambulanz am Universitätsklinikum Graz brachte man es 2008 auf 27.000 Fälle, an der Kinderklinik waren es 31.000. Jährliche Steigerungsrate: jeweils rund 1000 Fälle pro Jahr. Außerdem sind Spezialambulanzen wie für Dermatologie oder Gynäkologie am Uniklinikum Graz hoffnungslos überlaufen. Trotz der verzweifelten Bemühungen, Wartezeiten so kurz wie möglich zu halten und eine erstklassige Versorgung auf rechtzuerhalten, ist das System an seine Grenzen gestoßen. Der Teufelskreis: "Unsere Ambulanz-Stoßzeiten sind vor allem mittags, wenn die Ordinationen der Kassenärzte schließen, und es ist der Freitag, wenn wir viele Patienten aus den Pflegeheimen bekommen", analysiert Gerhard Stark, Leiter der Abteilung für innere Medizin am LKH Deutschlandsberg.
Problematik aus Sicht der Spitalsärzte. Damit bringt er die Problematik aus Sicht der Spitalsärzte auf den Punkt: Allgemeinmediziner und Fachärzte mit Kassenverträgen decken den täglichen und vor allem am Wochenende Behandlungsbedarf der Patienten nicht ab. Das bringt einen Teufelskreis in Gang: Die Spitalsbetreibergesellschaften versuchen, Ambulanzen so klein wie möglich zu halten, weil die Leistungen von der Krankenkasse im Gegensatz zum Facharzt gedeckelt bezahlt werden. Die bezahlende Krankenkasse hat daher wenig Interesse, das zu ändern, weil sie so günstiger aussteigt, und will nicht mehr Geld in den Ambulanzbereich pumpen. So wird auf die niedergelassenen Ärzte kein Druck ausgeübt, Öffnungszeiten zu ändern. Die Opfer des Konflikts: die Patienten.
Auswege aus der Misere. "Es gibt gute Gründe für die steigenden Ambulanzzahlen: Erstens das zunehmende Alter, außerdem haben die Menschen Angst um ihre Arbeitsplätze und trauen sich nicht in der Arbeitszeit zum Arzt zu gehen. Patienten fordern auch mehr ein und ich erhalte in Ambulanzen schneller meine Untersuchungen als bei einem niedergelassenen Arzt", so Stark, der in Deutschlandsberg zusätzliche Ärzte in der Notfallambulanz einsetzt. Vom Krankenhausbetreiber wurde nur eine halbe Planstelle mehr bewilligt.
Offen halten. Werner Aberer, Leiter der Dermatologie am Uniklinikum Graz, will ab 20. April die Ambulanz so gar nur noch für Patienten mit Facharztzuweisungen und Notfälle offen halten. Wobei Aberer zugibt: "Jeder Patient empfindet sich als Notfall, das ist zu akzeptieren."
"Styria med.net". Aber: "Es geht nicht, dass manche mit harmlosen Erkrankungen zu uns kommen, weil sie in der Urlaubszeit bei niedergelassenen Ärzten keinen Termin bekommen oder so schwer einen Hautarzt finden." Wolfgang Routil, Präsident der Ärztekammer, verweist für die Problemlösung auf "Styria med.net". Dabei handelt es sich um einen Modellversuch in Hartberg und Leibnitz: Spitäler und niedergelassene Ärzte werden besser vernetzt, um Wartezeiten zu vermindern und Leerläufe zu vermeiden. "Aber die Ärztekammer kann nur Empfehlungen abgeben und nicht eingreifen."
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Es geht nicht darum, was wir als Mediziner denken, sondern was der Patient fühlt. Wenn der
Bedarf da ist, verstehe ich nicht, warum niedergelassene Ärzte, deren Praxen überlaufen werden, keine Abend- und Samstagsambulanzen einführen.
Werner Aberer, Leiter der Abteilung für
Dermatologie am Uniklinikum Graz
Wenn wir am Wochenende von den Pflegeheimen immer mehr Patienten in die Notfallambulanz bekommen, entsteht der Eindruck, so soll das Wochen-ende ohne Arzt in den Heimen durchgetaucht werden.
Gerhard Stark, Leiter der Abteilung
für innere Medizin am
LKH Deutschlandsberg
Spital und niedergelassene Ärzte sollten mehr zusammenarbeiten. Wenn das freiwillig passiert, ist das mehr wert, als wenn es verordnet wird. Nichts hält ein Arzt weniger aus, als Zwang von oben. Das schadet dem Arzt-
Patienten-Verhältnis.
Wolfgang Routil,
Ärztekammerpräsident








