Die Hürden für den Junker
Die Junker-Zertifizierung zählt zu den strengsten Aufnahmetests im Land. Jede fünfte Weinprobe fällt bei der Prüfung durch.

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Einige Weinbauern zittern bis zur letzten Minute. Der Junker ist nämlich nicht nur die erfolgreichste Marke der österreichischen Weinlandschaft, er muss auch die härtesten Tests im ganzen Land überstehen. Wer am kommenden Mittwoch, dem 5. November, in der Messehalle A seinen Junker präsentiert, der hat sich den Erfolg hart erkämpft.
Bundesprüfanstalt. Silberberg bei Seggau, Bundesprüfanstalt: Sechs Kojen ganz in Weiß in einem schmucklosen Raum. Die Kojen sind mit einem Vorhang vom Schankraum getrennt. Kugelschreiber kratzen über Listen. Hier fällt die Entscheidung über die Zukunft eines Weins. Manchmal auch über die Zukunft des ganzen Weingutes. Wenn von sechs Verkostern drei mit "Nein" stimmen, gilt der Wein zwar noch als Qualitätswein - das Etikett "Junker" kann er sich aber abschminken. 17 Prozent hat es heuer schon erwischt, im Vorjahr fielen 20 Prozent durch. Anita Raber, die Leiterin des Bundesamtes für Weinbau und Chefverkosterin im Land, weiß auch warum: "Es ist bekannt, dass die Steirer sehr streng verkosten. Aber für die Marke ist es wichtig, dass unser Wein die selbst auferlegten Qualitätskriterien erfüllt."
Verkostung. Was also als Junker serviert wird, muss perfekt sein. Keine Frage, dass vor der Verkostung im Labor sämtliche Inhaltsstoffe analysiert werden. Im Schnitt schaffen zwei Prozent der eingereichten Weine diese Hürde nicht. Für den Geschmackstest zählen die sensorischen Fakten: frisch, duftig, primärfruchtig, erfrischend, trocken . . . die Liste der unbedingten Eigenschaften ist lang. Entspricht er nicht, fällt er durch. Unwiderruflich. "Bleibt noch genug Zeit, versuchen es manche Bauern mit einer zweiten Weinprobe", schildert Raber aus der Praxis. "Bis zur Präsentation wird es aber knapp. Immerhin muss man den Auftritt oft auch planen."
Prüfkriterien. Neben den brutalen Prüfkriterien sieht der Leibnitzer Werbeprofi Sepp Hartinger, der 1996 das Junker-Etikett erfunden hat, auch die Identifikation der Steirer mit dem Gesamtprodukt als Baustein des Erfolgs. "1996 hat eine Hutfabrik in Graz zugesperrt, die den Steirerhut mit Gamsbart hergestellt hat. Im selben Jahr haben wir das Logo erfunden, also haben wir alle Hüte aufgekauft. Heute sind die Hüte wieder in Mode, da haben wir sicher mitgeholfen."
Anwärter. Bis zu 100 Weine pro Tag werden derzeit in Silberberg verkostet. Rund 450 davon sind Junker-Anwärter. Anschauen, schmecken, bewerten. Die gute Nachricht für Etikettentrinker: Wer unter diesem Label auftritt, der hat sich den Hut verdient.
Features
Fakten
Ein Junker hat nicht mehr als vier Gramm Restzucker und 12 Volumsprozent Alkohol. Natürlich muss er ein Qualitätswein sein, vier von sechs Verkostern müssen ihn als Junker zulassen.








