Hier kann man ruhig ins Schleudern kommen
So manches Auto bringt der Winter aus der Spur. Beim Fahrtechniktraining ist das ausdrücklich erwünscht.

Foto © Scheriau
"Auskuppeln und gegenlenken!", tönt es aus dem Funkgerät. Da dreht sich das Auto auf der nassen Straße bereits um die eigene Achse. "Bremsen, bremsen, bremsen!" Die Stimme wird lauter. Der Schnee am Rand ist bedenklich nah. Der Eindruck sitzt. "Na, das Drehen geht ja schon perfekt", meint der Trainier Alois Pamper. Er kennt sich aus, ist schließlich Staatsmeister im Driften. Zum Lachen ist einem aber nicht zu Mute. Schließlich weiß man: Dieser Ausrutscher hätte in Wirklichkeit im Straßengraben oder im schlimmsten Fall in einem entgegenkommenden Auto geendet.
Gefahren wurde zwar nur 40, doch die Schleuderplatte auf dem ÖAMTC-Fahrparcours in Lebring simuliert eine ausbrechende Hinterachse - das Schleudern - mit der doppelten Geschwindigkeit. Beim zweiten Mal klappt es, der Wagen fährt, zwar noch trudelnd, aber dann doch gerade zwischen den Hindernissen hindurch. "Jetzt mit fünf Stundenkilometern mehr!", ruft der Trainer. Der Effekt ist eindeutig; das Fahrzeug ist wieder nicht unter Kontrolle zu bringen.
15 Zentimeter Neuschnee
"Super Bedingungen haben wir heute", sagt Pamper. Bei 15 Zentimetern Neuschnee über Nacht meint er das absolut nicht ironisch. So muss erst einmal gar nicht viel gemacht werden, um die Autos ins Schleudern zu bringen. Ein Kurvenparcours mit niedriger Geschwindigkeit reicht aus und so mancher Wagen steht quer. Der Schneepflug bemüht sich unterdessen redlich, die Teststrecken frei zu bekommen.
Bei Schnee haben die Reifen neun Mal weniger Haftung als bei trockener Fahrbahn. Das sagt die Theorie. "Dementsprechend muss man natürlich auch seine Geschwindigkeit anpassen", sagt Pamper. Tut man das wirklich immer? Fast täglich gibt es im Winter schließlich Unfälle auf glatter Straße.
Die trockene Theorie wird auch an der Brems-Teststrecke erschreckend real. Die plötzlich aus dem Asphalt auftauchenden Fontänen können bei 40 Stundenkilometern gerade noch umfahren werden, schon bei 50 wird das Auto nass. Viele Male gibt es bei den ausschließlich weiblichen Teilnehmen dieses Fahrsicherheitstrainings Aha-Effekte. Für Trainer Alois Pamper, ist das beileibe nichts Neues. "Den meisten Leuten ist nicht bewusst, was nur wenige Stundenkilometer mehr für einen Unterschied ausmachen", sagt er.
"Dabei gab es erst vor kurzem eine Studie, dass 80 Prozent der Österreicher die 30 km/h-Beschränkungen nicht einhalten", sagt eine Teilnehmerin nachdenklich. Vor allem für die Steiermark gilt das. Hier halten sich neun von zehn Fahrern nicht daran. Auch an Tempo 50 hält sich die Hälfte der Fahrer nicht.
Frauen und Männer
Zu hohe Geschwindigkeit spielt auch bei jedem zehnten tödlichen Verkehrsunfall eine Rolle. Bei Unfällen, in die Raser verwickelt sind, sind übrigens in acht von zehn Fällen Männer die Verursacher. Frauen, sagt Pamper, schneiden beim Fahrsicherheitstraining meist besser ab als Männer. "Seit wir diese Trainings machen, würden wir nie wieder sagen, dass Frauen schlechtere Autofahrer sind."
Doch viel wichtiger ist wohl die Erkenntnis, wie viel ein paar Stundenkilometer mehr oder weniger anrichten oder verhindern können. Bei Glatteis etwa reichen schon 40 Stundenkilometer, um einen schweren Unfall zu verursachen. Pamper scheint zufrieden und sagt: "Wenn das angekommen ist, ist schon viel erreicht."
Features
Slalom, ABS und Schleuderplatte
Beim Fahrtechniktraining lernt man sein Fahrzeug gefahrlos in Grenzsituationen kennen - und wie man richtig darauf reagiert.
Es gibt Slalomparcours, Brems-Teststrecken, man lernt, das ABS einzuschätzen, richtig einem Hindernis auszuweichen und sein Auto bei einem Heckausbruch (Schleudersimulation) unter Kontrolle zu bringen.
Doch auch Dinge wie die richtige Sitzposition und Lenkradhaltung stehen auf dem Programm.







