Mit Josefine geht eine Ära zu Ende
Kommenden Sonntag wird die Geburtenstation im Krankenhaus Wagna geschlossen. Dieser Tage kamen dort die letzten Babys zur Welt.

Foto © WieserJosefine, die Letzte. Das entzückende Baby kam am 21. Juni um 17.01 Uhr in Wagna auf die Welt - die (höchstwahrscheinlich) letzte Geburt im dortigen LKH. Die Eltern Magdalena und Andreas Hofbauer sowie Schwester Pauline sind wohlauf
Die kleine Josefine Hofbauer aus Kaindorf an der Sulm geht in die Annalen des Landeskrankenhauses in Wagna ein: Letzten Donnerstag um 17.01 Uhr erblickte das entzückende Mädchen im LKH Wagna das Licht der Welt. In die große Freude der Eltern Magdalena und Andreas Hofbauer und in jene der behandelnden Hebammen und Ärzte mischte sich aber auch Wehmut. Sollte es nämlich nicht in diesen Tagen noch eine spontane Geburt oder einen medizinischen Akutfall geben, ist die kleine Josefine das letzte Baby, das in der geburtshilflichen Einheit in Wagna auf die Welt kam.
Diese wird nämlich mit kommenden Sonntag, Schlag sieben Uhr, offiziell geschlossen. Der regionale Gesundheitsstrukturplan will es so, da blieben selbst Unterschriften gegen die Schließung oder ein Aufmarsch von Müttern mit Kinderwagen und politische Interventionen vergeblich. Nach exakt 31.550 Geburten seit 1948 - 153 davon im heurigen Jahr - geht somit in der Südsteiermark eine Ära zu Ende. "Die Geburtshilfe stand schon mehrmals vor dem Aus", erinnert sich Herwig Koter, ärztlicher Direktor im Spital in Wagna. "Aber jetzt gibt es offenbar einen massiven Druck der leeren Kassen. Dabei haben sich bei uns alle wohlgefühlt, es ist eine wirklich sehr ansprechende Institution."
Dabei war man sich in Wagna noch vor drei Jahren fast sicher, dass die Geburtenstation erhalten bleibt: Damals hatte es eine Initiative für den Kauf einer Geburtenwanne gegeben. Über 20.000 Euro wurden von 387 Privatpersonen, 54 Firmen und 44 Gemeinden gesammelt. Der damalige Spitalslandesrat Helmut Hirt prophezeite dem LKH Wagna eine "gute Zukunft". Die Betriebsratsvorsitzende Ingeborg Zadravec sprach von einer "Aufwertung unserer Station" und dem "Erhalt von Arbeitsplätzen".
Die Leidtragenden
Davon ist nun keine Rede mehr: Die elf Hebammen und fünf Gynäkologen werden in Wagna - ebenso wie die Geburtenwanne und andere geburtshilfliche Einrichtungen und Utensilien - nicht mehr gebraucht. Sie werden künftig in anderen Spitälern arbeiten. Nur acht Pflegehelfer können in Wagna verbleiben. "Es hieß, es gibt eine Standortgarantie", ist Oberhebamme Elisabeth Absenger, seit 1979 in Wagna und ab Mitte Juli in Feldbach tätig, traurig und enttäuscht. "Dann haben wir von der Schließung aus der Zeitung erfahren." Nun würden werdende Mütter aus der Südsteiermark durch die halbe Steiermark kutschiert, nach Deutschlandsberg, Graz oder Feldbach. "Mir tut es leid für die Frauen. Die Gebärenden sind die Leittragenden", meint auch Hebamme Helga Wetzelberger aus St. Peter am Ottersbach.
Heute werden die beiden letzten Mütter - Silvia Neuhold aus Weinburg und Heidi Potzinger aus Gabersdorf - mit ihren Babys Elisa und Lilli aus dem LKH Wagna entlassen. Die Gefühlslage: Sentimental. Heidi Potzinger: "Die Betreuung hier ist einfach ideal."








