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    Zuletzt aktualisiert: 27.11.2008 um 18:53 UhrKommentare

    Gewalt an Schule wird ungehemmter

    Gewalt unter Schülern wird in den Klassenräumen zunehmend zum Problem. Lehrer und Psychologen beobachten steigendes Aggressionspotenzial. Ein bundesweiter Schulgipfel soll am Freitag Lösungen finden.

    Die Gewalt unter Schülern wirt brutaler und ungehemmter

    Foto © APADie Gewalt unter Schülern wirt brutaler und ungehemmter

    Der Vorfall ereignete sich vergangenen Sonntag im Lehrlingshaus Gleinstätten: Ein 17-jähriger Bäckerlehrling geht mit einem Besenstil auf einen 18 Jahre alten Fleischerlehrling los, schlägt auf ihn ein. Der Grund für den Gewaltausbruch soll ein Mädchen sein. Der Steirer wird an der Hand verletzt, die Polizei nimmt den Vorfall auf. Der 17-Jährige wird sofort aus dem Internat entlassen. "Wenn Jugendliche zusammen sind, kommt es eben immer wieder zu Reibereien", meint Maria Simperl, Direktorin des Lehrlingshauses. Dennoch konstatiert sie: "Die Gewalttätigkeit nimmt zu, die Hemmschwelle ist gesunken."

    Brutal und ungehemmt. Ein Befund, den Schulpsychologe Josef Zollneritsch teilt. "Die Gewalt unter Jugendlichen wird definitiv brutaler und ungehemmter. Sehr oft passieren die Zwischenfälle völlig ohne ersichtlichen Grund." Eine Entwicklung, der Bildungsministerin Claudia Schmied mit einem Anti-Gewalt-Gipfel entgegensteuern will. 600 Teilnehmer aus der Sozial-, Schul- und Polizeiarbeit diskutieren am heutigen "Aktionstag gegen Gewalt an der Schule" in Wien über ein gemeinsames Vorgehen gegen das Problem. "Die Lehrer können diese sozialen Schwierigkeiten nicht allein bewältigen. Sie brauchen dabei Partner", sagt Schmied.

    Prävention. Eine derartige Vernetzung zwischen Lehrern, Sozialarbeitern, Psychologen und der Polizei sei absolut nötig, bestätigt Zollneritsch. "Das Zauberwort heißt Prävention. Bei Schülern hat so ein Verhalten meist mit Frustration, wenig Selbstwertgefühl und Gruppenzwang zu tun. Da muss man ansetzen." Für die Lehrer sei Hinschauen und rasches Handeln angesagt. 80 Prozent der Pädagogen würden sich dabei professionelle Unterstützung von Sozialarbeitern wünschen, sagt eine österreichweite Online-Umfrage der Fachhochschule FH-Campus Wien.

    Versteckte Gewalt. Am meisten aufgeladen ist die Lage an den Pflichtschulen. "Schließlich erreichen Kinder zwischen zehn und 14 Jahren den Gipfel physischer Gewalt", erläutert die Bildungspsychologin Christiane Spiel. Doch daneben macht sich ein zweites Phänomen breit: Immer mehr Schüler und Lehrer fühlen sich psychisch unter Druck gesetzt, werden zu Mobbing-Opfern. Laut der "Arge Jugend gegen Gewalt" gibt fast jeder sechste steirische Schüler an, Opfer von verbaler Gewalt zu sein oder gewesen zu sein.

    Anti-Gewalt-Programm. Alarmierende Zahlen, die Handeln erfordern. Anti-Gewalt-Programme wie die Initiative "Faustlos" laufen derzeit an 80 steirischen Volksschulen, das Unterrichtsministerium will nun auch im Personalbereich reagieren. Die Schulpsychologen sollen um ein Fünftel aufgestockt werden, auch die Schul-Sozialarbeit wird ausgebaut. Vorausgesetzt freilich, im nächsten Bundesbudget gibt es dafür Geld.

    GÜNTER PILCH, CARMEN OSTER, BERND THURNER

    Fakten

    Eine bundesweite Umfrage der Fachhochschule FH-Campus Wien unter 940 Lehrern aller Schultypen zum Thema Sozialarbeit an Schulen ergab:

    57 Prozent wünschen sich "unbedingt" Unterstützung, weitere 23 Prozent "überwiegend".

    Erziehung gehört für 96 Prozent der Lehrer zum Schulalltag, die Arbeit an den sozialen Kompetenzen der Schüler für 94 Prozent. 89 Prozent müssen sich mit Verhaltensauffälligkeiten beschäftigen.

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