Der Hüter des flüssigen Schatzes
Gespanntes Warten: Willi Sattler hat bei der Junker-Premiere am Mittwoch in der Grazer Stadthalle das Zepter in der Hand.

Foto © Kanizaj
Sie sind wieder unterwegs, die Junkerspione. Langsam schleichen sie sich auch am Sattlerhof in Gamlitz an. Wollen, ausnahmsweise, ein Tropferl des jungen, frischen Rebensafts probieren. Ausnahmsweise, muss ja niemand erfahren. Doch Hausherr Willi Sattler bleibt hart. "Ausgeschenkt werden darf erst am Mittwoch", meint der Winzer und hält die Flasche noch ein bisschen fester in seiner Hand.
In drei Tagen werden die Steirer im ganzen Land die Vorboten des Jahrgangs 2011 probieren (siehe rechts). Alles unter dem Kommando von Sattler, der als Obmann der Marktgemeinschaft Steirischer Wein der offizielle Vertreter von mehr als 300 Junker-Bauern ist. Und noch viel mehr. Denn er ist einer der neun Winzer, die 1987 den "Junker" aus der Taufe hoben. "Ich habe schon immer Jungwein produziert. Als ein paar Kollegen und ich einmal im Weinkeller einen Tropfen verkostet haben, kam uns die Idee, ihn zur Marke zu machen", erinnert sich der 52-Jährige. Das Ziel: Den Kunden durch den Wein einen ersten, fruchtigen Vorgeschmack zu geben. Was mit neuen ideenreichen Winzern begann, ist heute zum flüssigen Erfolgsrezept geworden.
Fotoprobe
Sattler öffnet nach leichtem Zögern die Weinflasche. "Fürs Foto", meint er und schenkt bedächtig ein. Wie er denn schmeckt, der neue Jahrgang? "Viel probiert hab' ich selbst noch nicht. Aber er ist fruchtbetont und in der Säure etwas milder als in den vergangenen Jahren", erklärt er. Und schüttet seien Ernte wieder zurück in die Flasche. Nicht weniger bedächtig.
Der Wein, er ist das Leben und die Leidenschaft von Sattler. Seit mehr als drei Jahrzehnten ist der gebürtige Klosterneuburger nun im Wein-Geschäft. Schon kurz nachdem er die Weinbauschule absolviert hatte, stieg er in den elterlichen Betrieb ein.
Bis heute ist eines sein oberstes Gebot: "Der Mensch muss selbst am Rebenstock stehen." Maschinelle Ernte, davon hält Sattler so gar nichts. Bei ihm holen bis zu 50 Saisonarbeiter per Handlese die Trauben. Nur bei einer Sache darf die Technik ran. Vier Wetterstationen halten ihn am Laufenden über das "Geschehen" im Weingarten. "Das Klima macht den Beruf so spannend. Alles hängt davon ab", meint der vierfache Vater mit funkelnden Augen.
Sohn Alexander stößt dazu. Auch ihn hat das Fieber schon gepackt, auch seine Augen funkeln bei dem Thema. "Er macht heuer seinen ersten eigenen Wein", berichtet der Papa stolz. Ausgerechnet ein Sauvignon, die Lieblingssorte von Sattler, ist es beim Filius geworden. Alexander bleibt dennoch gelassen. "Ich hab' gesagt, ich will einen Wein machen, der besser als sein Bester ist", lacht er. Die Weinbauschule hat auch er abgeschlossen, nach dem Bundesheer geht es für ein halbes Jahr nach Neuseeland. Nachwuchssorgen, nein, die hat Sattler nicht. Weder beim Wein noch im Familienbetrieb.









