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Festlicher Glanz und düstere Majestät
Erstmals dirigierte Nikolaus Harnoncourt Mozarts prächtige "Missa longa" in Stainz.

Foto © STYRIARTE/KMETITSCH Kirche in Stainz: perfekter Raum für Harnoncourts Sakralkonzerte
STAINZ. Strahlender Trompetenglanz und prachtvolle Kontrapunktik durchdrangen die Pfarrkirche Stainz. Mit Mozarts "Missa longa" schloss Nikolaus Harnoncourt heuer bei drei seit Langem ausverkauften "styriarte"-Konzerten eine Lücke in der stattlichen Reihe sakraler Werke der Wiener Klassik, die er hier seit 1989 aufgeführt hat.
Mit ihren 824 Takten, von denen 406 allein dem Credo gelten, zählt die "Missa longa", KV 262, zu den umfangreichsten Sakralwerken von Wolfgang Amadeus Mozart. Und zu seinen prächtigsten, gesellen sich doch zu dem üblichen "Kirchentrio" (zwei Violinen und Bass, aber keine Bratsche) noch je zwei Oboen, Hörner und Trompeten, drei Posaunen und Pauken. Das reichhaltige Instrumentarium und die ausgedehnten Orchestervorspiele boten dem Concentus Musicus Wien Gelegenheit, prächtiges Pathos und repräsentativen Glanz auszubreiten. Harnoncourt, der für die schnellen Sätze flotte, energiegeladene Tempi wählt, unterstreicht aber auch die schmerzliche Ausdruckskraft der chromatischen Harmonik und der von ihm zugespitzten dynamischen Kontraste und führt mit dem perfekt vorbereiteten Arnold Schoenberg Chor die kontrapunktische Kunstfertigkeit Mozarts in den großen Fugen mit exemplarischer Deutlichkeit vor.
Drei opernhafte Arien
Konnte sich hier das Solistenquartett (mit Elisabeth von Magnus und Florian Boesch) nicht ernsthaft in Szene setzen, so bestach der ebenso klare wie bewegliche Sopran von Sylvia Schwartz in den beiden Arien der "Litaniae de venerabili", KV 243, von Mozart, die auch für den Tenor Jeremy Ovenden eine virtuos bewältigte Agilitätsprüfung bereithielt.
Mit feinsten farblichen und dynamischen Abstufungen entfaltete Harnoncourt den kompositorischen Reichtum der längsten der vier Litaneien Mozarts: Dunkel dräute die düstere Majestät des "Tremendum", organisch wirkte die Verbindung der sinnlichen neapolitanischen Elemente mit den strengen Fugen, dramatische Eindringlichkeit erreichten die "Miserere"-Rufe. ERNST NAREDI-RAINER
Im Radio: Heute, 20.30 Uhr, Ö 1, live.




