Wenn der Tod zum Teil der täglichen Arbeit wird
Er wird "Reiseleiter ins Jenseits" genannt, selbst bezeichnet er sich als "Senkungsrat": Helmut Pongratz, Totengräber in Deutschlandsberg.

Foto © APA"Reiseleiter ins Jenseits" am Friedhof
Vorm Tod habe ich keine Angst, auch nicht vor meinem eigenen. Und wenn ich den Kontakt mit Leichen und Gebeinen zu nahe an mich heranlassen würde, könnte ich ebensowenig normal weiterleben." Helmut Pongratz arbeitet seit 13 Jahren als Totengräber in Deutschlandsberg, Freiland und in seinem Heimatdorf Osterwitz, wo er mit seiner Frau Edith als Haupterwerbsbauer ein recht isoliertes Leben führt.
Wettbewerb am Friedhof. Die "Hysterie um den Tod" ist für den 50-Jährigen nur schwer nachzuvollziehen: "Viele Menschen kümmern sich das ganze Jahr nicht um ihre Verstorbenen, dann plötzlich staut es sich am Friedhof und es entsteht ein Wettbewerb um das schönste Grab. Und was nicht alles hingetragen wird auf die letzte Ruhestätte der Angehörigen..."
700 Begräbnisse. Überhaupt werde das Sterben in der Gesellschaft von Blendung und Selbsttäuschung begleitet, ist der Totengräber überzeugt: "Plötzlich wird der einsam Verstorbene zum besten Freund der ganzen Gemeinde und ein unbeliebter Außenseiter in der Grabrede zum ehrenwerten Mitbürger." Der natürliche Umgang mit dem Tod, mit Verlust und Abschied bleibe hier oft auf der Strecke, wie Pongratz auch nach 700 Begräbnissen immer wieder erkennen muss.
Verbrennen.Persönlich tritt er für das Verbrennen der Verstorbenen ein, auch wenn dies gegen seinen eigenen Job geht: "Aber schließlich soll doch der Tod nicht nur zum Geschäft ausarten, wie es schon ein wenig der Fall ist." Zu seinem Aufgabengebiet gehören auch Exhumierungen: "Unlängst habe ich jemand im Burgenland ausgegraben und in Freiland wieder beigesetzt."
Keine Antwort. Er selbst empfindet sich nicht als religiös, denkt aber über die Frage nach einem "Leben nach dem Tod" ernsthaft nach: "Von den Verstorbenen habe ich noch keine Antwort darauf bekommen, habe weder Stimmen von unerlösten Seelen gehört noch die Präsenz von unheimlichen Geistern gespürt." Trotzdem zeichnet den Totengräber von Osterwitz viel Sensibilität und Vorahnung aus. Immer wieder vermeint er den nahen Tod von Menschen zu spüren, die ihm plötzlich in den Sinn kommen: "Da denk ich mir doch gerade, den hab ich aber lange nicht mehr gesehen und kurz darauf bekomme ich schon die Todesnachricht."
"Senkungsrat". Angehörige und Freunde bezeichnen Helmut Pongratz immer wieder als "Reiseleiter ins Jenseits", er selbst nennt sich gerne "Senkungsrat" - alltäglicher Umgang mit einem außergewöhnlichen Beruf. Alte Totengräber-Mythen von gestohlenen Goldzähnen hingegen ringen ihm nur ein müdes Lächeln ab.
Kinder begraben. Am schwierigsten wird es für ihn, wenn er ein Kind begraben muss: "Das ist schon extrem hart", murmelt er und blickt dabei nachdenklich zu Boden.












