Erbittertes Ringen um die Schweinemast
Schweinezucht gegen Naturschutz: In der Südsteiermark spitzt sich der Konflikt um geplante Großställe zu.

Foto © APIn der Südsteiermark spitzt sich der Konflikt um geplante Großställe zu
Der dramatische Strukturwandel in der Schweinezucht hat nun mit voller Wucht die Südsteiermark erreicht: Während die traditionellen bäuerlichen Fleischbetriebe immer stärker auf dem Rückzug sind, breitet sich unaufhaltsam ein Netz aus professionell gemanagten "Schweine-Fabriken" aus. In nächster Zeit sollen in Gralla, Labuttendorf, Vogau und mehreren anderen Standorten Großställe mit jeweils bis zu 1500 Mastplätzen entstehen. Betrieben werden sie längst nicht mehr von einzelnen Bauern, sondern von Kapitalgesellschaften, an denen häufig auch die behandelnden Tierärzte beteiligt sind.
Mit ländlicher Idylle hat diese Tierproduktion meist wenig zu tun. Die Säue werden "synchronisiert", damit sie zeitgleich trächtig werden. Pro Jahr werfen sie fast 25 Ferkel. Die Schwänze werden auf die Hälfte gekürzt, weil es sonst zu Kannibalismus unter den Tieren kommen kann.
884 Gramm pro Tag
Auf die Ferkel wartet dann ein atemberaubendes Wachstum: 884 Gramm pro Tag müssen sie zunehmen, um nach 177 Tagen 110 Kilo zu wiegen. Zeit ist Geld. Die Betreiber dieser Großeinheiten beteuern freilich, dass sie höchste Standards einhalten und aus Gründen der Konkurrenzfähigkeit zur Massenproduktion gezwungen sind. "Im europäischen Vergleich sind unsere Großställe nur Kleinbetriebe", sagt Franz Pilch von der Landwirtschaftskammer. Er ist auch Geschäftsführer und Miteigentümer der Firma "pigvital GmbH" in St. Margarethen, die in den nächsten Jahren Stallbau-Investitionen in Millionenhöhe wieder zurückverdienen muss. Die Betreuung der Tiere sei in größeren Einheiten oft besser, sagt Pilch: "Wenn es dem Tier nicht gut geht, wird man keinen wirtschaftlichen Erfolg haben."
Impfung statt Therapie
Ähnlich argumentiert Tierarzt Johann Höcher aus Wolfsberg im Schwarzautal, der an der "Gemeinschaftsferkelerzeugung Hainsdorf GmbH" beteiligt ist: "Der Gesamtstandard in Großställen ist oft höher." Gerüchte, wonach in solchen Betrieben "palettenweise Medikamente" eingesetzt würden, weist er zurück: "Die Impfungen haben zugenommen, dafür geht der Medikamenteneinsatz zurück." Ob die Schweine ein würdiges Leben hätten, beantwortet er mit einem Vergleich: "Na ja, wenn ich heute ein Hochhaus mit 500 Menschen sehe, würde ich auch nicht von Massenhaltung sprechen."
Auf der anderen Seite mehren sich die Kritiker, die den Trend zur Agrarindustrie für einen Irrweg halten. Anrainer fürchten Geruchsbelästigung, auch das Problem der Gülleausbringung ist nicht überall gelöst. ÖVP-Mandatar Josef Ober fürchtet um den Ruf des südoststeirischen Vulkanlandes: "Wir sind eine kulinarische Genussregion. Agrarindustrie passt nicht dazu."
Fakten
Noch ist die Schweineproduktion bei uns klein strukturiert: In Irland gibt es je Betrieb durchschnittlich 2000 Tiere, in Dänemark 1400, in Österreich 70.
Die Entwicklung geht aber klar in Richtung Großställe. Dahinter stehen auch die Schlachtbetriebe: Ihren Angaben zufolge fehlen in der Steiermark 500.000 Schweine pro Jahr, die importiert werden müssen.
Kritiker sehen hier einen Irrweg, sie bangen um den sanften Tourismus und den Ruf unseres Landes als "Genussregion".













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