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Ein Land wird fremdregiert
Straßenkunst, Theater, der Schöckl als Konzertberg und viele zufriedene Gesichter: In der Saison von La Strada ist vieles anders. Luftiger, lebendiger.

Foto © Marija Kanizaj
Der Schöckl ist nicht mehr das, was er einmal war. Die Lieblingsadresse der Grazer Stadtflucht-Bewegung ist bis nächsten Sonntag ein eindrucksvoller Freiluft-Konzertsaal. Einer, in den man am liebsten einziehen würde.
Das am Plateau arrangierte Orchester: Celli, Pauken, Glockenspiele, Bambusrohre, balinesische Flöten oder Metallkörper, in die man seinen Kopf hineinstecken kann. Muss. Der Solist: ein riesiger Klapotetz. Der Dirigent: der Wind. Das Publikum besteht aus überraschten Wanderern, Paragleitern, Mountainbikern sowie Ausflugsmenschen. Und den vielen Kühen, die immer wieder spontan in das sphärische Naturkonzert einstimmen.
"Harmonic Fields" heißt die Installation des französischen Jazzmusikers Pierre Sauvageot am Ostgipfel des Schöckls, die davor schon in Kopenhagen, auf der westfriesischen Insel Terschelling oder in New York zu sehen war. Nun hat sie La Strada in die Steiermark geholt.
Wie der Windgott Aiolos dieses Mal das freie Spiel der Kräfte walten lässt, bleibt unvorhersehbar. "Der Wind am Schöckl kommt oft aus vielen Richtungen gleichzeitig und verhält sich wie eine Spirale", sagt Sauvageot. Das Spiel, angelegt als begehbare musikalische Reise an 26 Stationen, wird zum Naturereignis: einmal zärtlich, einmal wild, dann wieder epochal. Das Schöne daran ist, dass die Windströme nicht nur spür-, sondern auch gleich hörbar werden. Und während man im Liegestuhl versinkt und den Celli lauscht, lässt sich wunderbar über einzelne Windnamen nachdenken, die an Schildern nachzulesen sind. Bei den Celli steht Ivernone. So nenne man wilde Stürme am Lago Maggiore in Oberitalien.
Tanzen gehen
Szenenwechsel: Graz wird für La Strada zum Tanzboden. Die "zweite liga für kunst und kultur" führt Zuseher (Termine siehe unten) durch Alltagsbewegungen der Stadt. Die drei ausgezeichneten Performerinnen schmiegen sich an Hauswände, umtänzeln Radfahrer, stehen Passanten Spalier oder liefern sich ein Wettrennen mit einer Radfahrerin. Eine charmante, verliebenswerte und perspektivenreiche Aktion, bei der die Kunst Teil des Stadtlebens wird - und umgekehrt.
Das gilt auch für die "Streetwalker Gallery" des internationalen Kollektivs Kud Ljud. Die Koproduktion mit der Kulturhauptstadt 2012, Maribor, lädt zu Alltagskunst in Graz-Gries: ins Wohnhaus oder zum "unbekannten zweiten Pissoir des Dadaisten Marcel Duchamp" aufs WC im Café "8 Zwerge". Die Aktion spielt ironisch mit Rezeptionsgewohnheiten und lässt Teilnehmer Edward Munchs "Der Schrei" neu nachstellen. Und das ist wirklich ein Schrei.
Features
Kommentar
Fotoserien
Fakten
La Strada geht bis 5. August in Graz, Weiz, Stainz, Leibnitz, Feldkirchen & Maribor über die Bühne.
Harmonic Fields: Ostgipfel am Schöckl, täglich 11 bis 18 Uhr.
Where is dance in town? Heute und morgen, 17 Uhr, Graz, Anmeldung: Tel. 0 720 733 748.
Loin. Heute 17/19.30 Uhr, morgen 16 Uhr, Priesterseminar Graz, morgen 19.30 Uhr Schloss Seggau, Mi 18 Uhr, Hauptplatz Stainz.
Streetwalker Gallery. Führung heute in Graz, Anmeldung: Tel: 0 720 733 748, Di, Mi, Do in Maribor. Tel: (0 68 1) 203 63 887. Tickets: Tel.: 0 720 733 748
Info: www.lastrada.at











