Abschied von der Rolle des Angreifers
Neue Rollen im Landtag: VP-Klubchef Christopher Drexler darf staatstragender werden, auch SP-Gegenüber Walter Kröpfl gerät in ruhigere Gewässer.

Foto © Marija Kanizaj
Mit dem Wahlergebnis verschieben sich die Gewichte und Spielräume für die Parteien im Landtag. Auch die ÖVP muss sich neu definieren. Klubobmann Christopher Drexler hat nach eigener Rechnung sieben Jahre lang zum Angriff auf die SPÖ geblasen. Ob er sich dabei, wie vom Grazer ÖVP-Bürgermeister Siegfried Nagl suggeriert, als "Kettenhund" fühlte, will er ausdrücklich nicht kommentieren.
Mit einer neuen, stabilen Achse zwischen SPÖ und ÖVP muss er sich jedenfalls von dieser Rolle verabschieden und eine neue annehmen und er ist darüber alles andere als böse: Der Part des Angreifers war für die ÖVP strategisch wichtig und hat Parteichef Hermann Schützenhöfer mit dem nötigen Flankenschutz ausgestattet. Persönlich hat diese Rolle Drexler aber viele Sympathien gekostet, was nicht gerade hilfreich für höhere Weihen ist. Schließlich gilt ÖAAB-Obmann Drexler als Personalreserve für jenen Tag, an dem sich ÖVP-Obmann Hermann Schützenhöfer aus der aktiven Politik zurückzieht, auch wenn dieser Tag noch in der Ferne liegt.
SPÖ-Klubobmann Walter Kröpfl hat zuletzt oft gelitten unter den Volten seines Parteichefs Franz Voves, die ihn zwangen, unter schwierigsten Bedingungen Mehrheiten im Landtag zu suchen. Mit einem neuen Arbeitsübereinkommen zwischen SPÖ und ÖVP käme auch er wieder in ruhigere Gewässer.
Bei den Grünen wird wohl Ingrid Lechner-Sonnek wieder Klubchefin, nachdem Werner Kogler das Landtagsmandat dankend abgelehnt hat. Den politisch ertragreichen Vorsitz über den Kontrollausschuss wird man an die KPÖ abtreten müssen, der geht traditionell an die kleinste Fraktion. Dafür dürften die Grünen von der KP den Vorsitz im Petitionsausschuss erben, wo man den Bürgerinitiativen nahe ist.
Klubchefin der KPÖ wird wieder Claudia Klimt-Weithaler. Weder Grüne noch KPÖ haben machtpolitisch künftig etwas zu sagen, weil sie weder SPÖ noch ÖVP zu einer Mehrheit im Landtag verhelfen können. Mit einem angenehmen Nebeneffekt: Für beide Parteien wird die Pflicht zur Kür. Sie müssen nicht mehr auf allen Hochzeiten tanzen, sondern können sich ihre Themen aussuchen und dort Akzente setzen.
Frauen unter 30 wählen vermehrt die Grünen, die jungen Männer geben vorwiegend den Freiheitlichen ihre Stimme. Dieser bundesweite Trend war auch bei der Landtagswahl in der Steiermark zu beobachten, so das SORA-Institut. Laut der Umfrage wählten 23 Prozent der Männer bis 30 Jahren die FPÖ, vor allem jene, die von der Wirtschaftskrise betroffen waren. "Viele dieser Wähler haben aus Protest FPÖ gewählt. Außerdem sind die Führungspositionen der Partei überwiegend mit Männern besetzt", analysiert Peter Filzmaier. Bei den jungen Frauen konnten die Grünen 17 Prozent erreichen. Das liegt laut Filzmaier vor allem daran, dass die Themen der Grünen auch viel mehr mit dem Lebensalltag der Frauen zu tun haben. Zusätzlich fühlen sich viele Frauen durch den höheren Frauenanteil in der Partei besser vertreten, so der Politologe. Generell gebe es einen Trend, dass Frauen eher Mitte-links-Parteien und Männer eher Mitte-rechts-Parteien wählen. Die beiden Großparteien hingegen blieben bei den Jungwählern unter den Erwartungen.



















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