Klimt-Weithaler mit Meinl als Wahlhelfer
Auf der Straße und in der Schule: Für KPÖ- Frontfrau Claudia Klimt-Weithaler ist im Kampf um Stimmen der Kapitalismus das Trumpf Ass.

Foto © HoffmannClaudia Klimt-Weithaler beim "Wahlkämpfen"
Es ist der vorletzte schöne Spätsommertag. Die Temperaturen lassen noch einmal den Sommer erahnen, die mild gewordene Sonne zeichnet den Jakominiplatz mit seinem geschäftigen Treiben weich. Ein grellroter Schirm sticht hervor: der Wahlkampfstand der KPÖ. Auf einem Tisch mit heller Holzplatte sind Broschüren aufgestapelt, dahinter liegen verstreut Anstecker: "Gerechtigkeit" steht auf dem mit rotem Stern und gelbem Hintergrund. Zwei Männer und eine Frau verteilen Flugblätter. Und sie nickt auf die Frage einer Passantin, zeigt auf das Wahlplakat mit ihrem Konterfei: "Ja, ich bin die Spitzenkandidatin."
Drei mutmaßliche Erstwählerinnen bleiben bei Spitzenkandidatin Claudia Klimt-Weithaler stehen. Sie wollen Information über das Programm. Also sprudelt die 39-Jährige gleich los. Zuerst über Umverteilung, wegen der Superreichen, "zehn Prozent besitzen zwei Drittel des Reichtums". Natürlich darf das Stichwort "Meinl" - "den werden Sie ja vielleicht kennen" - nicht fehlen. Weiter geht es im Repertoire mit dem Reißverschlussprinzip, gleich viele Frauen wie Männer in führender Position bei der KPÖ. Und dann die Frage nach dem Unterschied zwischen Grünen und Kommunisten. "Das ist meine Lieblingsfrage", wirft sich Klimt-Weithaler ins Zeug. Sie kann sich Zeit lassen. Nur vereinzelt finden sich Interessierte, die an diesem Nachmittag am Stand der KPÖ verweilen. Die Flugzettel lassen sich die Vorbeieilenden aber in die Hände drücken. Die Landeshauptstadt ist ein Gebiet, in dem die Kommunisten situiert sind. 14,03 Prozent erreichten sie in Graz bei der Landtagswahl 2005 mit Spitzenkandidat Ernest Kaltenegger, bei der Gemeinderatswahl 2003 waren es noch 20,75 Prozent, 2008 bröckelte das Ergebnis auf 11,2 Prozent ab.
Wenn Junge fragen
Klimt-Weithaler hält noch bei ihrer Lieblingsfrage: "Die Grünen regieren gerne mit." Bevor die Mädchen gehen, unterschreiben sie gegen das Murkraftwerk. Eine ältere Frau schnuppert um den Stand: ,,Was haben Sie denn?" - "Ich weiß was für Sie", sagt die Frontfrau und übergibt ein Gläschen Honig. Zufrieden geht die Beschenkte weiter.
Der übernächste Tag bringt für die Wahlkämpferin eine Diskussion mit Schülerinnen und Schülern. Die Katholische Jugend und die Jungschar laden zu "Jugend am Puls" ins Augustinum. "Ich habe Schulveranstaltungen gerne, da kommen so echte Fragen", schwärmt Klimt-Weithaler. Die Jungen fragen tatsächlich "echt", wollen wissen, wer, wenn bei der Bildung alles gratis sein soll, das bezahlt, und wenn der Kapitalismus ein Problem hat, warum hat der Kommunismus keines? Die Klubobfrau der KPÖ hakt beim Kapitalismus ein, geißelt Ausbeutung, Profitmaximierung - dann das Trumpf-Ass: die zehn Prozent der Österreicher . . . Der Meinl kommt diesmal nicht vor.
Mit Applaus verabschiedet, macht sich Klimt-Weithaler zur nächsten Station auf. Interview bei Radio Graz im Außenstudio, im Rauchersalon des Schauspielhauses. Moderator Felix von Bally - ein zugewanderter Münchner - bekommt erklärt, warum es eine Reichensteuer geben soll, warum Politiker zu viel verdienen.
Nach einer Stunde geht es für die Wahlkämpferin zur nächsten Veranstaltung, einer bei der Arbeiterkammer. Am Abend wieder eine Jugenddiskussion. 13 Diskussionen hat Klimt-Weithaler seit Anfang September hinter sich gebracht, 18 Einsätze an Infoständen, zwölf andere Wahlveranstaltungen. "Meine zwei Töchter sind die letzten 14 Tage beim Papa." Familie gibt es wieder nach dem 26. September.
Features
Fakten
Claudia Klimt-Weithaler wurde 1971 in Fohnsdorf geboren, schon die Familie war in die KPÖ eingebettet.
Beruf: Ausbildung an der Bundeslehranstalt für Kindergartenpädagogik.
Familie: Alleinerzieherin, zwei Töchter (9 und 13 Jahre alt).
Politik: Seit 2005 für die KPÖ im Landtag, seit Frühjahr 2010 Klubobfrau.
























