Sinn und Unsinn der Wahlplakate
Plakate allerorten. Der Wahlkampf hat seinen sichtbaren Höhepunkt erreicht. Sophie Karmasin analysiert für die Kleine Zeitung die Wahlplakate der steirischen Parteien im Landtagswahlkampf.
Quelle © politkaffeeplakate_digi1009.jpg | Foto: KLZ Digital Politkaffee: Sittinger über die Wahl-Plakate
"Opa, warum sind da lauter Plakate mit Gesichtern?" Die Frage des vierjährigen Manuel beweist, dass die Flut an Wahlplakaten der unterschiedlichsten Größen und Formate derzeit den Alltag beherrscht. Und Manuels Opa muss beim Spazierengehen noch mehr aufpassen als sonst, weil die Plakate und Dreiecksständer den Passanten und Verkehrsteilnehmern die Sicht verstellen.
Zur Person
Sophie Karmasin analysiert für die Kleine Zeitung seit mehreren Wochen die Wahlplakate der steirischen Parteien im Landtagswahlkampf.
Kompetenz. Sie ist Geschäftsführerin des Instituts Karmasin Motivforschung in Wien. Dieses geht durch Befragungen von Gruppen und Einzelpersonen den Motiven für bestimmtes Handeln auf den Grund.
Franz Voves, viele Meter breit, Hermann Schützenhöfers Augen im Megaformat und besonders in den Städten Dreiecksständer gewissermaßen bei jeder Toilettentür. Es ist fraglich, ob diese Werbeträger dem Wähler nicht die Sicht aufs Eigentliche verstellen, ob die Parteien damit auch das Herz und das Gehirn der Steirer erreichen. Sie bemühen sich jedenfalls recht heftig darum, so Sophie Karmasin, die als Motivforscherin des gleichnamigen Wiener Instituts für die Kleine Zeitung die Plakate in diesem Landtagswahlkampf analysiert. Aber wirklicher "Aufreger" sei keiner darunter, so die Fachfrau. Den ÖVP-Plakaten mit den Schützenhöfer-Details attestiert sie immerhin Originalität und eine gewisse Art von Charakter.
Kein Handschlag
Offen bleibt, ob die Betrachter die Optik auch der ÖVP zuordnen können. Und einen schlichten Fehler sieht Karmasin im Sujet der beiden Hände, das mit dem Titel "Handschlagqualität" versehen ist: Ein Handschlag könne doch nur zwischen zwei Personen stattfinden.
Einen auffälligen Kontrast zur anspruchsvollen Kommunikation der ÖVP-Plakate sieht die Expertin bei den Sujets der SPÖ, die Franz Voves ausgiebig vorzeigt. Deren Botschaft: "Wir haben den Kandidaten, wir haben eine Botschaft und wir lassen keine Unklarheiten zu." Der Hintergrund der Voves-Plakate scheint irgendetwas mit Technologie zu tun zu haben. Das dürfte als bewusster Gegensatz zu den Heimat-Signalen der ÖVP und anderer Parteien zu sehen sein.
Zielgruppe
Eine gute gestalterische Handschrift attestiert die Motivforscherin den Machern der FPÖ-Plakate. Kontraste und Botschaften seien stimmig für die Zielgruppe, die Fotos mit Spitzenkandidat Gerhard Kurzmann allerdings zu "brav". Beim BZÖ kommen Erinnerungen an frühere Jörg-Haider-Plakate auf, speziell bei der Darstellung mit der Baumallee im Hintergrund. Nicht ganz zum griffigen Slogan "Der traut sich was" passt der etwas zögerliche Blick des Kandidaten, findet Karmasin.
Kontrast
Einen Art Wettstreit leisten sich Grüne und KPÖ. Beide Parteien wissen mittlerweile, dass sie trotz mentaler Distanz nicht umhin können, Plakate auch in größeren Formaten zu verbreiten. Es gehe einfach darum, Präsenz zu beweisen, weiß Karmasin. Sie konzediert den Plakaten der Grünen eine konsequente Hervorhebung ihres Kandidaten Werner Kogler, etwas abgeschwächt durch eine unsichere Optik. Bei der KPÖ, die erstmals seit Jahrzehnten nicht nur von Dreiecksständern, sondern auch von "echten" Plakaten lacht, sieht die Expertin durchaus einen Kontrast zu den Sujets und der Bildersprache der Mitbewerber.























