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Zuletzt aktualisiert: 28.08.2010 um 07:43 UhrKommentare

Ein Volksfest der ÖVP in weiß-grün

Wahlkampfauftakt in Leoben: Hermann Schützenhöfer will bei den "kleinen Leuten" punkten und das Land regieren. "Hoamat" und "Steirerhuat" sollen verbinden.

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Um drei Uhr haben wir begonnen, und es ist schwarz geworden über Leoben.“ Der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl bezieht sich auf den Himmel, der unmittelbar darauf seine Schleusen öffnet, und es sollte die einzige indirekte Anspielung auf das traditionelle Schwarz der Volkspartei bleiben. Weiß-grün sind die Gösser-Kisten, die sich meterhoch an der Wand der Brauerei-Halle stapeln, weiß-grün sind die überdimensionalen Plastik-Hände, mit denen sich das Publikum in Stimmung winkt, und weiß grün sind die Schals der Fans und die Krawatte des Chefs. Hermann Schützenhöfer, Obmann der ÖVP, macht sich auf die letzten Meter des weiß-grünen Weges zurück zur Macht.

Zitiert

Voves hat vor fünf Jahren etwas versprochen, 135 Punkte. Die sind zerplatzt wie Seifenblasen. Zum Glück hat sein Programm heuer nur zwölf Punkte, das wird rasch ein Ende haben. Siegfried Nagl, Grazer Bürgermeister

Warum man die SPÖ nicht wählen soll? Weil sie Streit in unser Land getragen hat. Sie hat damals auf Klasnic eingeschlagen. Derselbe

Ich strebe die Zusammenarbeit an, das ist eine Charakterfrage. Hermann Schützenhöfer, ÖVP-Chef

Ich war mein Leben lang ein Konsenspolitiker. Vorausgesetzt, der politische Partner hält, was er verspricht. Derselbe

Während Voves und Faymann immer stärker auf Distanz gehen, kommen Hermann Schützenhöfer und ich uns immer näher. Josef Pröll, Vizekanzler

Ich will Unternehmen ansiedeln und sie nicht davonjagen durch dumme Sprüche. Schützenhöfer, in Richtung SP-Chef Voves

Es ist noch nichts entschieden. Die SPÖ ist nervös und spürt den Atem von Schützi im Nacken. Josef Pröll, Vizekanzler

Gewinnt die ÖVP, dann gewinnt die Steiermark. Derselbe

Es ist schön zu spüren, dass einen die Menschen mögen. Hermann Schützenhöfer, ÖVP-Chef

"Es war uns ein Volksfest", so hätte sein Abschiedsgruß etliche Stunden später lauten können. Die Regie verzichtet auf jegliches Attribut einer Herrenpartei, in der sich der Chef durch die Präsenz wichtiger Leute zusätzliche Bedeutung verleiht. Die Industriehalle als Location, die SPÖ-Hochburg Leoben als Veranstaltungsort sind Symbol. Man geht auf die einfachen Leute zu und bietet Volkskultur. Der Einklatscher: Nagl. Er sorgt für Action im Saal: Jeder muss einen Bekannten anrufen und an ihn appellieren, ÖVP zu wählen. 300.000 Wähler brauche die ÖVP für die Nummer 1. Für jeden Funktionär nur drei Anrufe täglich bis zur Wahl. Die Musi: "Steirerstoark", ein Song, den Fred Jaklitsch, Kopf der Seer, der ÖVP für den Wahlkampf an den Leib gedichtet hat. Die Steiermark, das Lebensgfühl, die Hoamat und der Steirerhuat sollen verbinden.

Warm gesungen

Der Witzeerzähler: Josef Pröll. Fast 15 Minuten müssen "Schützi" und er draußen warten, bis die Menge warm gesungen ist. Frenetischer Applaus, im Rhythmus geschickt von der Musik gesteuert, als die Gladiatoren sich den Weg nach vorne bahnen. Dass der ?Schützi“ nicht nur intern so genannt wird, sondern auch offiziell mit extra angefertigten Karten zum Winken als solcher empfangen wird, ist neu. Eine Charmeoffensive des Landeshauptmann-Kandidaten.

Pröll ist auch da, um an Leistungsprinzip und Verantwortungsgefühl zu erinnern, aber noch mehr genießt er seine Rolle als Unterhalter: Nie habe Landeshauptmann Franz Voves von ihm als Finanzminister etwas gewollt, "das erhöht meine Lebensqualität, aber ist es für die Steiermark besser als der Hermann, der jeden zweiten Tag bei mir in der Leitung hängt?" Der Ex-Profi-Sportler Voves als Amateurpolitiker – das Publikum johlt. Bühne frei für den Star. "Weiß-grün ist die Steiermark, weiß-grün bin ich auch ich." Hermann Schützenhöfer sagt es nicht genau so, aber fast. "Franz Voves hat seine Chance gehabt. Jetzt warte ich darauf, dass die Steiermark eine Chance kriegt und ich eine Chance, das Land zu regieren."

Er will mit den Funktionären "Geschichte schreiben", zum ersten Mal in der Zweiten Republik eine Mehrheit schon nach einer Legislaturperiode wieder zurückerobern, die Handschlagqualität müsse wieder zählen in der Steiermark. "Wählen Sie die Steiermark, wählen Sie nicht die SPÖ, sondern weiß-grün!" Die eigenen Leute hat er wohl schon überzeugt: "Ich spüre, dass die Zuneigung auch mir selbst gegenüber wächst."

CLAUDIA GIGLER, CLAUS ALBERTANI

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