Steirer des Tages

Nach zehn Jahren im "Off": Flow Bradley ist wieder zurück

Der Ex-Hardbradler hat zum "Volkssoul" gefunden. Ein Gespräch über das Sich Auflösen, über große Fragen und kleine Wunder. Interview: Nina Müller

© Universal/Ulrike Rauch
 

Obwohl Sie schon lange nicht mehr in Bad Aussee wohnen, sondern in Graz, kommt Aussee überall vor – vom „Hoamweh nach B.A.“ bis hin zu „Born in Bad Aussee“. Warum definieren Sie sich so stark über Aussee?

FLOW BRADLEY: Ich habe noch immer eine starke Verbindung dort hin. Manche Leute glauben, ich bekomme viel Geld aus Bad Aussee, weil ich so viel darüber singe. Dabei bezeichnen mich die Ausseer eher als den „Verruckt’n“, den Künstler halt. Meine Beziehung zu Bad Aussee kann mir aber keiner nehmen. Ich hab mein eigenes Heimatgefühl.

Was hat es mit Bruce Springsteen auf sich? Auf „Born in the USA“ ist ja nicht nur der Titel, sondern auch das Cover angelehnt.

BRADLEY: Ich habe immer schon bekannte Motive persifliert. Jetzt, mit Springsteen, steckt auch ein bissl der Traum dahinter, einmal in Amerika gespielt zu werden.

Besteht beim Albumtitel „Volkssoul“ nicht Verwechslungsgefahr mit dem „Volks-Rock’n’Roll“?

BRADLEY: Damit hat es nichts zu tun. Es ist eine einzigartige Dialektmusik aus Soul und R’n’B und vor allem aber eine Seelenmusik. Ohne Bum-Bum oder „I sing a Liad für di“. Es ist nix, das draufdrückt, nix das dich anplärrt.

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Sondern?

BRADLEY: Ich gebe in der Musik sehr viel von mir preis und mache mich damit auch angreifbar. Zwei Texte handeln von meiner Krankheit. Ich bin manisch-depressiv. Deshalb habe ich mich so lange zurückgezogen. Ich habe bemerkt, dass man im Geschäft eine Elefantenhaut braucht.

Was war so schlimm daran?

BRADLEY: Bei Interviews, wie bei Claudia Stöckl, habe ich Haare gelassen. Das war schon wüd, ich bin sehr jung prominent geworden und habe auf einmal einen Rappel bekommen.

Wie haben Sie es zurück in die Öffentlichkeit geschafft?

BRADLEY: Dass ich das jetzt durchziehe, habe ich vor allem meinem Psychocoach zu verdanken, Doktor Alexandra Krammer.

Wie hat Sie Ihnen geholfen?

BRADLEY: Man arbeitet halt daran, dass man sich nicht mehr völlig auflöst. Die große Frage war, was ich mit meiner Krankheit tun soll. Soll ich sie in Interviews einbinden oder soll ich das lassen?

Wie geht es Ihnen jetzt?

BRADLEY: Momentan geht es mir gut, jetzt kann ich das machen. Ich habe mir gesagt, wenn Universal so eine Musik herausbringen will, dann sage ich nicht nein.

Und sie wollten.

BRADLEY: Ja, es wundert mich zwar, aber sie wollten (lacht).

Wie wurde „Volkssoul“ eigentlich aufgenommen?

BRADLEY: Man hört es nicht, aber es ist meine erste Elektronik-CD. Da haben wir aus der Not eine Tugend gemacht. Produziert hat es Wolfgang Czeland, der Papermoon entdeckt hat. Auch dabei waren Wolfgang Feldgrill am Bass und Bernie Mallinger, Geige.

Was wären ihre Wünsche für das Comeback-Album?

BRADLEY: In Österreich habe ich alles erreicht. Der große Traum wäre es, dass jemand über die Sprachgrenzen hinweg darauf aufmerksam wird. Ich rede eigentlich von einem kleinen Wunder.

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Wie geht es Ihnen denn, wenn Sie heute wieder die alten Hardbradler-Songs hören?

BRADLEY: Ich bin stolz darauf, ich habe fünf Alben für eine große Firma gemacht. Das war in jungen Jahren schon ein großer Output. Wie dann alles gelaufen ist, wie es daneben gegangen ist, das ist natürlich traurig. Wir waren am Zenit und mussten alles wieder aufgeben. Leider träume ich manchmal noch schlecht davon.

Kommentare (2)

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DSV
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Ich hoffe, dass er stark bleibt und nicht das Schicksal seines Vaters erleidet. Alles, alles Gute und Kopf hoch.

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picco
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Freue mich auf das neue Album und wünsche Dir viel Glück auf Deinem Weg zu Dir selbst und dass Du das Leuchten in Deinen Augen zurück gewinnst. Mit Grüßen ein treuer Fan. LG A.

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