Streit um KollektivvertragWarnstreik vor versperrten Türen

Sozialwirtschaft gegen Gewerkschaft: Am Freitag gingen die Warnstreiks weiter. In Deutschlandsberg gingen die Wogen hoch, ÖGB-Boss Schachner wurde der Zutritt verwehrt. Vereinsobmann sagt: "Für Streikende war kein Platz."

Horst Schachner, ÖGB und Kollegen
Horst Schachner, ÖGB und Kollegen © ögb
 

Das Tauziehen der Betreiber von Heimen/Diensten für Senioren, Menschen mit Behinderung usw. mit den Vertretern der Pfleger und Betreuer hat an Härte gewonnen. Auch in der Steiermark. Es geht um Arbeitszeitverkürzung und Lohnerhöhung.

Ausgeperrt

Dem Streik im wahrsten Sinne des Wortes einen Riegel vorgeschoben hat am Freitag der Betreiber eines Sozialvereins in Deutschlandsberg: Sowohl streikwillige Mitarbeiter als auch der steirische ÖGB-Chef Horst Schachner und GPA-Norbert Schunko standen in der Früh vor versperrten Türen. "Ich habe ihn (den Obmann, Anm.) mindestens zehn Mal angerufen, an der Tür geklopft und sogar gesehen, wie er sich versteckt", schüttelte Schachner den Kopf. So etwas sei ihm noch nie passiert. 

Der Warnstreik bzw. die Betriebsversammlung wurde kurzerhand in ein Lokal verlegt und dann nach drei Stunden beendet.  

Kein Platz

Der Vereinsobmann betonte gegenüber der Kleinen Zeitung, er hätte nichts gegen Warnstreiks etc. Doch in den Büros wäre "für Streikende kein Platz. Wie sollen 50 oder 100 Personen in unseren vier Büros einen Warnstreik abhalten?" Die Arbeit müsse ja trotzdem getan werden: von Demenz- oder Pflegeberatung über Streetwork und Sozialarbeit.

Der Forderung der Gewerkschaft nach einer 35-Stunden-Woche steht der Obmann des Sozialvereins kritisch gegenüber: "Es handelt sich jetzt schon um Mangelberufe. Dann aber hätten wir noch mehr zu wenige Leute." 

Warnstreiks in 20 Betrieben

Vergleichsweise reibungslos verliefen die Proteste am Donnerstag: Wie ein Sprecher des ÖGB Steiermark sagte, hätten "in 20 steirischen Betrieben hunderte Mitarbeiter" an den Warnstreiks teilgenommen. So etwa im Odilieninstitut in Graz oder bei der Lebenshilfe. Am Freitag folgten Einrichtungen für betreutes Wohnen bzw. für Menschen mit Behinderung.

2,4 Prozent reichen nicht

Norbert Schunko, Chef der GPA-djp Steiermark, betonte, dass man sich nicht mit den angebotenen 2,45 Prozent abfinden werde. Ein Großteil der Beschäftigten würde schließlich Teilzeit arbeiten. Das würde meist bei 1173 Euro brutto anfangen. In Vollzeit seien es 1768 Euro brutto im Monat (oder bei höherer Qualifikation mehr).

35-Stunden-Woche

Ergo muss "ernsthaft über Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich gesprochen werden", betonte Schunko. Andernfalls "können wir die Maßnahmen gerne ausdehnen".

"Wir wollen eine Lösung am Verhandlungstisch und nicht auf der Straße", meinte Walter Marschitz, Geschäftsführer der Sozialwirtschaft, später via Aussendung. Am Freitag gab man bekannt, die nächste Verhandlungsrunde sei am 23. Februar.

"Sind nur die Zahler"

Zurück in der Steiermark: Nicht zufällig erinnerte Schunko an den beachtlichen Gehaltsabschluss in der steirischen Spitalsgesellschaft Kages, wovon auch das Personal der Landespflegezentren profitierte.

Bei Personal- und Gesundheitslandesrat Christopher Drexler verweist man hingegen gerne darauf, dass man im Gremium der Sozialwirtschaft überhaupt nicht vertreten sei. "Wir sind am Ende nur die Zahler." Hintergrund: Land und Sozialhilfeverbände preisen den Gehaltsabschluss in die Tagsätze für Pflegeheime usw. mit sein.   

Erst im Vorjahr haben sich Heim-Betreiber, Gewerkschaft, Land Steiermark, Städte und Gemeinden auf ein neues Finanzierungsmodell geeinigt. Das Volumen: 441 Millionen Euro. 

 

Kommentare (4)

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glashaus
6
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Unglaublich

was sich die Arbeitgeber herausnehmen. Wer hat diesen Obmann gewählt oder war dabei das Parteibuch entscheident. Fehlendes Fingerspitzengefühl hat in einem Sozialverein absolut nichts verloren, freiwillig abtreten!!

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der alte M.
1
3
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👍

Super Aktion!

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Reipsi
1
4
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Wenns streiken wollen

auf der Strasse können's immer , oder in ihren eigenen Räumen .

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chris14
2
20
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Sehr belastender Job

Diese Berufe leisten (wie viele Andere auch) einen großartigen Dienst am Menschen. Sowohl psychisch wie auch physisch ist diese Arbeit sehr belastend. Es sind unregelmäßige Dienste an, meistens beeinträchtigten, Menschen zu leisten. Diese Menschen sind zu waschen und zu pflegen, soweit möglich auch zu beschäftigen und natürlich zu verpflegen. Ich verstehe die Forderungen der Arbeitnehmer sehr gut, allerdings kostet das natürlich. Die Frage ist halt: wie viel sind uns, der Gesellschaft, ältere und pflegebedürftige Menschen wert?

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