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Zuletzt aktualisiert: 26.06.2011 um 05:00 UhrKommentare

Erste Reihe fußfrei

Die Kleine Zeitung durfte einen ersten Blick in den nagelneuen Zeltweger Tower werfen, der nach drei Jahren Bauzeit am 18. Mai in Betrieb ging.

Foto © KLZ / Eder

Beneidenswert, die Jungs vom zehnten Stock. Da oben, 46 Meter über der Rollbahn, haben sie den besten Blick auf die AIRPOWER. Wettersicher, klimatisiert, akustisch gedämpft - und bequem ist der Platz auch. Nur werden die Flugverkehrsleiter im nagelneuen Zeltweger Tower weder die Zeit noch die Muße haben, die Himmelsartisten zu bestaunen. "Obwohl bei der Airshow das Ärgste schon vorbei ist. Die großen Herausforderungen sind das Fly-in und das Training der Piloten", meint Oberst Kurt Hopfgartner. Er ist Kommandant der Militärflugleitung und der Chef am Tower.

Blick hinter die Fassaden

Am 18. Mai erst ging der Turm in Betrieb, nach drei Jahren Bauzeit. Die Kleine Zeitung durfte exklusiv hinter seine schneeweiße Fassade blicken. Vom alten Tower - 30 Meter kleiner und am Flugfeld eher eine Randerscheinung - sei das ein Quantensprung in Bezug auf Technik, Abläufe und Optik, schwärmt Hopfgartner von seinem Arbeitsplatz. Klar, einen moderneren seiner Art gibt es in Europa kaum.

Von Eisenerz bis Gratwein im Osten, von der Schoberspitze bis Metnitz im Westen und in der Höhe bis auf 12.500 Fuß (3810 Meter) reicht der Kontrollbereich der Zeltweger. Sie können aber auch auf andere Flugplätze schauen, da Zeltweg in den Radarverbund der Austro Control eingebunden ist. Umgekehrt ist der Blick ins Aichfeld noch etwas getrübt. "Unser neues Rundsichtradar befindet sich gerade in der Flugvermessung. Daher gibt es derzeit für die letzten 4000 Fuß noch keine Radarbedeckung." So hat man als einziges Relikt das Präzisionsanflugradar aus den 70er-Jahren vom alten in den neuen Tower mitgenommen.

Beten im Turm

Vor diesem Bullauge im Retrolook sitzt Hopfgartner nun in Erwartung eines Eurofighters im Instrumentenanflug. Kollege "Approach Controller" hat ihm gerade den Plastikstreifen mit den Flugdaten des Jets auf das Pult gelegt, 30 Kilometer vor der Landebahn übernimmt der Oberst den Fighter und "betet" ihn herunter. Aber nicht, dass er um göttlichen Beistand bitten würde. Wie in einer Litanei funkt der Offizier dem Piloten alle fünf Sekunden seine Position im Verhältnis zum Idealkurs durch. Im Flieger-Englisch klingt das so: "One zero miles from touchdown: On flight path, on track." Ein paar leichte Kurskorrekturen später ist der Pilot auf "Entscheidungshöhe", er kann die Piste jetzt gut sehen und ohne weitere Kommandos aufsetzen. Mit einem "o. k., danke" und dem Frequenzwechsel übergibt Hopfgartner den Piloten an den Platzflugverkehrsleiter ganz oben in der Turmkanzel.

Multitasking

Der Radarbetriebsraum ist abgedunkelt, der Fokus der drei Kontroller auf den Monitoren. Bei Hochbetrieb sitzen sechs Leute hier, alle zwei Stunden gibt es Pause, dann Positionswechsel. Zehn fertige Flugverkehrsleiter arbeiten derzeit in Zeltweg, sieben weitere sind in Ausbildung. Multitaskingfähig sollte man für diesen Job sein, Offizier ebenso, und bis zu sechs Jahre Ausbildung - einige davon in Deutschland - investieren.

Man kann auch als Techniker, Flugabfertiger, Meteorologe oder Feuerwehrmann im Tower Arbeit finden, an die 100 Leute sind es gesamt. Die beste Aussicht haben aber immer noch die Jungs im zehnten Stock der Platzflugkontrolle, die letztlich das O. k. für alle Starts und Landungen gibt.


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