Die Macht des Handels trifft die (Milch-)Bauern
Alles wird teurer, nur die Milch wird billiger. Was die Konsumenten freut, ergrimmt die Landwirte. Sie fühlen sich dem Handel ausgeliefert, und das nicht zum ersten Mal.

Foto © APAIm Juni wird ein weiterer Preisabfall um bis zu fünf Cent erwartet
Die Freude der Bauern über bessere Preise für ihre Produkte währte nur kurz. Getrübt wurde sie zum einen vom Gram der Konsumenten über die starke Teuerung bei den Lebensmittel in den vergangenen Monaten. Schwerer wiegt aber die Enttäuschung, dass die Bauern und ihre Vertreter durch jüngste Aktionen des Handels sich wieder den großen Ketten ausgeliefert und als Opfer ihrer undurchsichtigen Preispolitik fühlen.
Obstbauern. "Im Stich gelassen" fühlen sich derzeit nicht nur die Obstbauern mit ihrem Feuerbrand-Problem. Bekanntlich hatten die Ketten mit einem Boykott steirischer Äpfel gedroht, sollten die Bauern ihre Bäume mit einem Mittel schützen, das in den Früchten aber gar keine Spuren hinterlässt. Und jetzt auch noch der Milchpreis: "Wie der Handel jetzt gnadenlos den Bauernmilchpreis nach unten drückt, ist einfach nur unfair", bringt der Wenigzeller Milchbauer Gottfried Schönbacher die Stimmung auf den Punkt. Nach mehreren Preissenkungen im Regal stieg der Druck auf die Molkereien, die diesen an die Bauern weitergaben.
Weitere Preissenkung. "Im Juni erwartet uns ein weiterer Preisabfall um bis zu fünf Cent", so Schönbacher, der auch im Vorstand einer Milchliefergenossenschaft ist: "Dann stehen wir wieder schlechter da, als vor der Erhöhung im Herbst. Es sind ja auch unsere Produktionskosten stark gestiegen. Aber den letzten beißen halt die Hunde." Die Manager der Handelketten sind aber nach außen bemüht, die Stimmung nicht zu verschlechtern. So äußerte Hofer-Generaldirektor Armin Burger "Verständnis für die Milchbauern", dennoch sei es "unumgänglich" gewesen, wegen europaweit sinkender Milchpreise "eine Anpassung zum Vorteil der Konsumenten vorzunehmen".
Entwicklungen. Auch Corinna Tinkler, Sprecherin bei Rewe (Billa, Merkur, Penny), verweist auf allgemeine Entwicklungen, von denen man sich "nicht abkoppeln" könne. Ihre Erklärung, dass Billa keine deutsche Milch kaufe, obwohl die billiger als österreichische ist, dürfte die Bauern kaum beruhigen. Der Hinweis könnte im Gegenteil als versteckte Lizitation nach unten verstanden werden. Dass derzeit wieder ausreichend Milch vorhanden sei, bestätigt auch Franz Schallerl, der Milchmarktexperte der Kammer: "Doch so stark wie die Preise nach unten gehen, das steht in keinem Verhältnis zu den Marktgegebenheiten", sieht Schallerl durchaus ein vom Handel verstärktes Dilemma.
Konsumenten. Robert Renz, Marketingchef bei Spar-Steiermark, versichert zwar, "wir bei Spar sind die letzten, die etwas gegen die Landwirtschaft machen". Aber bei Milch seien die Konsumenten "sehr preissensibel", da könne "es sich keiner leisten, nicht marktkonform anzubieten". Sonst würden Kunden abwandern. Wenn aber die Milch "weiter als Lockmittel für den Preiskampf der Ketten missbraucht wird", schließt auf der anderen Seite Landwirtschaftskammer-Präsident Gerhard Wlodkowski Kampfmaßnahmen nicht aus.
"Milchkrieg". Einige Bauern wollen es gar deutschen Kollegen nachmachen, wo Medien schon vom "Milchkrieg" sprechen. Erzürnte Bauern hatten vor Supermärkten die Milch in den Kanal geschüttet. Dass aber ein landesweiter Lieferboykott funktionieren würde, bezweifeln viele: "Jeder braucht dringend das monatliche Milchgeld", erklärt der Weizer Jungbauer Markus Brandtner, der " komplett die Motivation verloren" hat.








