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    Zuletzt aktualisiert: 20.01.2012 um 21:30 UhrKommentare

    "Die Spitäler müssen noch mehr sparen"

    Gesundheitslandesrätin Kristina Edlinger-Ploder über Pillenflut, Spardruck, den Boykott der Ärzte und die Gefahr dramatischer Leistungseinbußen in der Versorgung.

    Foto ©

    Der Druck steigt: In Österreich sollen möglichst schnell 1,8 Milliarden Euro bei den Spitälern gespart werden. Sind die Steirer mit dem Regionalstrukturplan 2011, der erstmals Änderungen brachte, im Plan?

    KRISTINA EDLINGER-PLODER: Der regionale Strukturplan 2011 war der Grundstein, aber nicht das Ende. Wir werden weiter sparen müssen. Die Pflege kann ich kaum noch billiger machen - also werden stationäre Einrichtungen wie die Spitäler einen weiteren Beitrag leisten müssen.

    Die Steiermark ist in der Zwickmühle. Mit der Anleihe der steirischen Krankenanstaltengesellschaft in der Höhe von 1,2 Milliarden Euro wurden zwar der Spitalsbetrieb und die laufenden Kosten gesichert. Aber bald ist die erste Rückzahlung fällig. 2014 müssen 700 Millionen Euro zurückgezahlt werden. Wie soll die Steiermark das stemmen?

    EDLINGER-PLODER: Ein Betrieb wie die Kages, der im Jahr Hunderte Millionen Euro Abgang hat, kann das nicht zurückzahlen. Das Land wird die Anleihe verlängern bzw. neu auflegen müssen.

    Wie viel Zeit bleibt für weitere Maßnahmen?

    EDLINGER-PLODER: Keine, wir haben schon genug Zeit verloren. Das Problem derzeit ist: Wir haben uns darauf festgelegt, dass die Gesundheitskosten nur so hoch steigen dürfen wie das Bruttoinlandsprodukt. Das sinkt aber, und damit öffnet sich die Schere immer weiter. Bund, Länder, Sozialversicherungen und Ärztekammer könnten eine Lösung zustandebringen. Wenn alle mitziehen.

    Warum passiert dann nichts?

    EDLINGER-PLODER: Weil jeder eigene Interessen verfolgt. Wenn ich über eine Gesundheitsreform rede, dann ist zum Beispiel die Schnittstelle zwischen niedergelassenen Kassenärzten und den Spitälern extrem wichtig. Da tut sich zu wenig, weil die Ärztekammer im Wahlkampf mit sich selbst beschäftigt ist.

    Können Sie das näher erläutern?

    EDLINGER-PLODER: Das beginnt bei der elektronischen Gesundheitsakte. Wenn jeder Arzt sehen kann, was der Arzt vor ihm gemacht hat, dann ist er ein Kontrollor und wir bekommen eine überschaubare Qualitätssicherung. Davor haben einige Ärzte Angst. Es ist doch so: Die verschiedenen diagnostischen Verfahren fressen das Geld auf! Diese werden doppelt und dreifach gemacht. Die Ärztekammer versucht, einfache Dinge zu boykottieren, sie bremst Reformen. Dabei zeigen Aktionen wie Styriamed, was möglich ist.

    Die elektronische Gesundheitsakte, mit der Patienten und Ärzte einen totalen Überblick erhalten soll, bleibt aber umstritten.

    EDLINGER-PLODER: Auch wir sind nicht mit allem glücklich. Aber erst dann können wir eruieren, warum der Patient zwischen 12 und 15 Medikamente zeitgleich schlucken muss, während Studien beweisen, dass mehr als sechs Medikamente nichts bringen. Wir müssen uns ja auch fragen: Warum werden einfache Dinge wie Manual-Therapien, die von Patienten gewünscht werden, nicht gezahlt? Aber jede Form der Diagnostik, auch sinnfreie. Und die Pillen, die werden oft nachgeworfen.

    Die Vorboten für Sparmaßnahmen sind bekannt. In Spitälern wird eruiert, welche Nacht-/Journaldienste eingespart werden.

    EDLINGER PLODER: Aber es wird nichts gemacht, was die Patientensicherheit bedrohen würde.

    Die Spitäler brauchen neue Erlöse. Stimmt es, dass Ärzte, die im Spital angestellt sind, aber privat zusätzlich in Sanatorien arbeiten, keine Klassegebühren in den Spitälern erhalten sollen? Damit will man Ärzte motivieren, ihre Klassepatienten ins Spital zu bringen.

    EDLINGER-PLODER: Das ist erst eine Aufgabe in der nächsten Vorstands-Periode.

    Wird es zu Spital-Privatisierungen kommen?

    EDLINGER-PLODER: Nein, die medizinischen Aufgaben bleiben bei uns. In sekundären Bereichen - wie Technik - kann es sein, dass wir Partner von draußen holen.

    Haben Sie derzeit noch Spielraum, um etwas zu bewegen?

    EDLINGER-PLODER: Es gibt nur noch zwei Optionen: Runterfahren oder klüger machen. Runterfahren heißt zuschauen, bis es kracht und es dramatische Leistungseinbußen bei den Spitälern gibt. Klüger machen heißt, Menschen zu informieren was geändert werden muss - und vielleicht nicht mehr gewählt zu werden.

    Wie weit sind wir bei den Reformen, wenn man sie mit einem 100-Meter-Lauf vergleichen würde?

    EDLINGER-PLODER: Bei zwei Metern. Mit der derzeitigen Form der Gesundheitsfonds könnten wir auch in bester Zusammenarbeit mit den Sozialversicherung in der Steiermark nur zehn Meter schaffen. Der Rest muss über eine tief greifende Strukturveränderung erfolgen. Aber das wollen die Sozialversicherungen nicht - und Minister Stöger traut sich nicht.

    Kann das System überleben?

    EDLINGER-PLODER: Wenn alle mitmachen: ja. Es wurde viel unternommen, um Patienten in die Irre zu führen und eine vermeintliche Sicherheit vorzuzuspielen. Das spielt's jetzt nicht mehr.

    INTERVIEW: DIDI HUBMANN


    Kommentar

    DIDI HUBMANNDas Spiel is... von DIDI HUBMANN

    Spitalchef geht

    VORAU. Überraschend hat Christian Glaser, ärztlicher Leiter des Marienkrankenhauses, das Handtuch geworfen. Dem Vernehmen nach soll es Spannungen mit der Verwaltung sowie Unstimmigkeiten wegen Dienstzeitüberschreitungen beim Personal gegeben haben. Geschäftsführerin Manuela Holowaty bestätigt den Abgang, nennt aber famliliäre Gründe. Überschreitungen bei Dienstzeiten habe es gegeben, das komme in Notsituationen aber in fast allen Spitälern vor, sagt sie.

    THOMAS PILCH

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