Kammermusik mit Echo im Schlosspark
Neues Wiener Quartett ließ sich durch kecken Vierbeiner nicht irritieren.

Foto © BrugnerDie Musiker ließen sich nicht aus der Ruhe bringen
Hunden attestiert man gemeinhin kein musikalisches Gehör. Von wegen. Da ließ es sich der Münsterländer der Gastgeberfamilie Lentz, die ihr Schloss Reitenau für einen Kammermusikabend des Neuen Wiener Quartetts zur Verfügung gestellt hatte, nicht nehmen während des Konzerts urplötzlich aufzutauchen und nonchalant durch die Reihen zu streifen. Motivation dafür war wohl weniger ein tierisches Verlangen nach einem besonderen Hörgenuss, als ungezügelte Neugier. Außerdem schien der Hund nicht wenige der rund 150 Gäste, denen allen zuvor bei ihrem Eintreffen Hausherrin Doris Lentz persönlich die Hand geschüttelt hatte, zu kennen, wie aus seinem vertrauensseligen Verhalten abzulesen war. Ein außergewöhnliches konzertantes Ereignis mit erheiternder tierischer Fußnote also. Das verlieh dem Lions-Abend fast einen familiären Charakter.
Facettenreich. Nach der herzlichen Begrüßung durch den Hartberger Lions-Präsidenten Ralf Gregory intonierte das Streicherquartett, dem die gebürtige Hartberger Ausnahme-Cellistin Katharina Gross angehört, Joseph Haydns "Vogel-Quartett" mit präzisem Schwung, bezauberndem Esprit und fast schwebender Leichtigkeit. Die dunkle Gemütsverfassung von Felix Mendelssohn-Bartholdy in seinem Streichquartett Nr. 4 in e-Moll, Op. 44 Nr. 2 wurde mit beseelter Innigkeit und tiefer Ausdruckstiefe akzentuiert, um danach bei Sergej Prokofjews Streichquartett Nr. 2 in F-Dur, Op. 92 zu obsessiver Intensität zu finden. Für das makellose, facettenreiche Spiel gab es vom beglückten Publikum einen lang anhaltenden Schlussapplaus.
Drinnen Klassik, draußen Rock. Draußen im nächtlichen Schlosspark vernahm man dann auf dem Weg zu seinem Auto bruchstückhaft den Rock-Klassiker "Sweet Home Alabama" von einem nahen Open-Air-Sommerfest. Man war wieder in der Gegenwart angekommen.









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