Von der Scheußlichkeitswelt und dem Menschenkrempeltum
Ernst M. Binders Inszenierung von Werner Schwabs "ÜBERGEWICHT, unwichtig:UNFORM" ist in der Stückentstehungsgegend unterwegs.

Foto © regionale08.at/klammer
Auf der Bühne Wirtshaustische, ein Wurlitzer, ein im Hintergrund schmusendes Pärchen (Margot Binder, Werner Halbedl), ein rotweißroter Fanschal, ein Kühlschrank, ein paar bereits auf der roten Liste der aussterbenden Alltagsgüter stehende Doppler, Weingläser und ein Abgesandter des "waschechten Volks", die Werner Schwab in seinem Anfang 1991 von Hans Gratzer am Schauspielhaus Wien uraufgeführten Fäkaliendrama "ÜBERGEWICHT, unwichtig: UNFORM" versammelt hat.
Koproduktion. Die regionale08, dramagraz und die steirische kulturinitative brachten in Zusammenarbeit mit dem Stadtmuseum Graz dieses frühe Schwab-Stück über das Scheitern humanitärer Ansprüche zurück an die Ursprungsgegend. Anfang der 80-er Jahre des vorigen Jahrhunderts zog sich der junge Kunststudent Werner S. mit seiner damaligen Frau und dem gemeinsamen Sohn auf einen kleinen Bauernhof nach Kohlberg, auf halbem Weg zwischen Paldau und Gnas zurück. Am Donnerstag wurde im Volkshaus in Feldbach die Premiere von Ernst M. Binders Neuinszenierung heftigst beklatscht.
Scheußlichkeitswelt. Da Schwabs Interesse weniger von anthropologischem Interesse als vom illusionslosen Aufräumen der Scheußlichkeitswelt und der Erledigung des Menschenkrempeltums geprägt war, schauen seine Bühnenfiguren entsprechend aus: Sie sind impertinent und impotent, besoffen oder sonst daneben, wenn sie ganz bei sich sind. Versuchte sich bei der Uraufführung Gratzer in szenischer Dezenz - übrigens sehr zum Missfallen des Autors - wählte Binder bewusst eine stilistische Nähe zum (Laien-)Bauerntheater, die in jedem Raum herzeigbar ist und funktioniert.
Der Lehrer und somit Intellektuelle namens Jürgen (Martin Horn) trägt ein Leiberl mit der Aufschrift "Die Grünen". Schweindi (Rudi Widerhofer) und Hasi (Nadja Brachvogel) lieben Tracht und Niedertracht, Karli (Christian Weinberger) mag's handgreiflich, seine Hertha (Anita Gramser) will sauber bleiben und Fotzi hebt ihren Rock um "ein Geld für die Musik". Weil: "Machen Sie sich frei, sagt das Leben." Die Wirtin (Ingrid Höller) kennt die Liebesfähigkeit ihrer Stammgäste. Für alle gilt: "Eine Geschmacklosigkeit muss man kosten".
"ÜBERGEWICHT, unwichtig: UNFORM" von Werner Schwab. Samstag, Feldbach, Volkshaus; 28. 7. Kulturzentrum Mureck; 30.7. Fehring, Gasslwirt; 1. 8. Kultursaal Söchau; 4.8. Pfarrheim Gnas; 6.8. Schloss Kornberg; 8. 8. Feuerwehrgarage Kohlberg; 14. bis 30. 8. Stadtmuseum Graz, Innenhof; 3. 9., Mehrzweckhalle Frutten-Gießelsdorf. Jeweils 20.30 Uhr.









