Voriger Artikel
Aktuelle Artikel: Nachrichten aus St. Lorenzen/Wechsel und Umgebung
Nächster Artikel
Der Sommer zieht im Schloss ein
Morgen wird auf Schloss Aichberg eine Ausstellung des Wiener Künstlers Oswald Oberhuber eröffnet. Zu sehen sind mehr als 70 Werke.
Obwohl sich die winterliche Kälte hinter den meterdicken Mauern von Schloss Aichberg noch nicht ganz verabschiedet hat, gibt ab sofort der Sommer den Ton an. Heißt doch die heurige Jahresausstellung, die morgen, Sonntag, eröffnet wird, schlicht und simpel "Ein Sommer mit Oberhuber".
Für den 86-jährigen Ex-Industriellen Anton Urban war sein unangekündigter wie höchst seltener Nachbarschaftsbesuch - er findet in der Regel maximal einmal pro Jahr statt - bei seinem Freund, dem Schlossbesitzer Cajetan Gril, eine Erstbegegnung mit der Kunst von Oswald Oberhuber.
Mühsam absolviert der ehemalige Besitzer des Schreibwarenunternehmens Brevillier-Urban, bis zum Zerfall der österreichisch-ungarischen Monarchie ein Metall verarbeitendes Industriekonglomerat, den Treppauf-Treppab-Parcours im Schloss. Bei einem Sturz im Oktober des Vorjahres zertrümmerte sich Urban, der seinen Hauptwohnsitz in St. Lorenzen am Wechsel hat, den linken Oberschenkelhalskopf. "Jetzt ist das eine Bein um eineinhalb Zentimeter kürzer", stellt er lakonisch fest, während er sich mühsam die Treppe hinaufhantelt.
"Ist das ein Portrait von dir?" will er mit lausbübisch-verschmitztem Lächeln von Gril wissen. Dabei zeigt er auf den Gipskopf des römischen Kaisers Vitellius, den man 69 n. Chr. in Stücke zerhackt hat.
Querschnitt
Urbans Interesse gilt dann allerdings mehr einem archaischen Pflug aus der Herrschaft Aichbergs, als dem dahinter hängenden Werk von Oberhuber aus grobem, gerupftem Leinen. Pflug wie Vitellius-Haupt sind Teil der Bestandsausstellung "Ein Haus und seine Bewohner", die reich gespickt mit Oberhuber-Arbeiten ist. In Summe sind es an die 70 Stück. Ein spannender Querschnitt aus der über 60-jährigen Schaffensperiode des Ausnahmekünstlers.
Ein Raum der Ausstellung ist gänzlich mit aufgefächerten Einkaufstaschen aus Kunststoff austapeziert. Davor hängen die Oberhuber-Bilder. Zweifelsohne ein starker Kontrast, der von Urban nicht goutiert wird. "Das ist mir zu unruhig. Die Bilder kommen dadurch nicht entsprechend zur Geltung." Gril verteidigt diese Art der Präsentation. "Dadurch müssen sich die Leute eben ein bisschen mehr anstrengen", meint er lapidar.
Ein paar Schritte weiter, im Raum "Identität", dessen Wände ein aufgeklebtes Daunenfederkleid tragen, bringt Urban ein weiteres Bonmot an. Zu Gril gewandt meint der Ex-Industrielle: "Du hast dich da wohl deiner Bettdecke entledigt. Oder musstest du Federn lassen?"
Bleibt zu hoffen, dass Urban seinen Gepflogenheiten zuwiderhandelt und seinen Nachbarn im Schloss heuer noch einen weiteren zweiten Besuch abstattet. Allein für Oberhuber würde es sich lohnen. Trotz Gehbehinderung.
Features
AUSSTELLUNG
Die Ausstellung "Ein Sommer mit Oberhuber" auf Schloss Aichberg wird morgen, Sonntag, um elf Uhr feierlich eröffnet.
Interessierte können die Ausstellung bis einschließlich Dienstag, den 26. Oktober, besichtigen.
Geöffnet ist die Ausstellung sonntags und feiertags jeweils zwischen zehn und 18 Uhr.
Nähere Informationen gibt es im Internet unter www.aichberg.at sowie unter Tel. 0676-30 88 505.



Derzeit gibt es hier keine Fotos zu diesem Thema.
