Nostalgie um ein paar Schilling
Im Kaufhaus von Otto Pußwald in St. Johann in der Haide können Kunden noch in alter Währung zahlen.

Foto © Thomas PilchIn einem Plastikküberl bewahrt Otto Pußwald die Schillingscheine und Münzen auf, die er in seinem Laden einnimmt
mit seinem grün-weiß gestreiften Arbeitskittel steht Otto Pußwald vor seinem schönbrunngelben Kaufhaus in St. Johann in der Haide. Dort hält er Ausschau nach seinen Kunden. Ob auch heute wieder jemand sein spezielles Angebot nutzen wird? Leicht möglich. Kann man doch in seinem kleinen Greißlerladen auch sieben Jahre nach der Währungsumstellung noch mit Schilling bezahlen. Und dabei macht es für Pußwald keinen Unterschied, ob jemand mit einem 1000-Schilling-Schein oder mit einem Sackerl voller Münzen kommt. Angenommen wird alles.
"Jede Woche kommt mindestens ein Kunde, der in Schilling bezahlt", erzählt der Kaufmann. Obwohl er erst vor gut einer Woche mehr als 7000 Schilling im Eurobus der Nationalbank umgewechselt hat, sind schon wieder einige Scheine im Plastikküberl. Dort bewahrt er das Geld nämlich auf. Aber nur so lange, bis er nach Graz fährt. Dann tauscht er das Geld in der Nationalbank gegen Euronoten. "Die kennen mich schon. Ich war 40 Mal dort", freut sich Pußwald.
An einen dieser Besuche erinnert sich der 77-Jährige besonders genau. Endete dieser doch mit einem Verhör auf dem Polizeirevier. "Ein Kunde wollte mit einem zusammengeklebten Tausender bezahlen. Weil ich mir nicht sicher war, ob er echt ist, habe ich mir gedacht, ich lasse ihn zuerst überprüfen", erzählt er. Der Beamte in der Nationalbank erkannte die Fälschung sofort. "Plötzlich ist links und rechts von mir ein Polizist gestanden", erinnert sich Pußwald. Im Endeffekt konnte er aber zum Glück alles aufklären.
Ungültige Scheine
Ein anderer Kunde wollte Pußwald ebenfalls hinters Licht führen. Er versuchte ihm sechs bereits ungültige Tausenderscheine unterzujubeln. "Der hat sich gedacht, beim Pußwald geht das schon. Ich habe das aber sofort erkannt", schmunzelt er.
Bezahlt man im Greißlerladen mit einem Schein, der mehr Wert ist als die eingekauften Produkte, erhält man eine Gutschrift. "Wir sind schließlich keine Wechselstube", stellt Pußwald klar. Und so weiß er auch genau, an welchem Tag wie viele Schilling in seinem Küberl gelandet sind. Schließlich führt er darüber akribische Aufzeichnungen.
Dass man noch in der alten Währung bezahlen kann, hat nicht nur Nostalgiegründe. "Für viele ist das ein echtes Erlebnis", weiß Pußwald. Auch seine Frau Gertrude freut sich über den zusätzlichen Umsatz. "Wenn jemand bei der Tür hereinkommt, kann ich schon sagen, in welcher Währung er bezahlen wird", meint sie lächelnd.







