Ein Material, das man erfühlen muss
Am Vierkanthof von Constanze Maria Geiger und Sandra Ritter in Unterlungitz übte man sich in der uralten marokkanischen Kalkputztechnik "Tadelakt".
Über die Brille, die auf seiner Nasenspitze ruht, wirft Franz Genser einen strengen Blick auf sein Kunstwerk. Spiegelglatt und gräulich schimmernd, übt das Gefäß einen unerklärlichen Reiz auf das Auge des Betrachters aus. Das Geheimnis der Vase und ihres effektvollen Aussehens liegt in einem antiken marokkanischen Material, dem Tadelakt (sprich Tade-lakt).
Projekte. Auf Einladung der Künstlerinnen und Pädagoginnen Constanze Maria Geiger und Sandra Ritter übte sich eine kleine Gruppe Interessierter auf deren Vierkanthof in Unterlungitz zwei Tage lang in der traditionellen Putztechnik. "Es geht uns um das gemeinsame Arbeiten und die Freude am Produkt, das dadurch entsteht", sagt Geiger, die in ihrem Heimatort bereits mehrere Projekte organisierte, wie etwa die Kuschelpuppenfabrik für Waisenkinder in Afrika (wir berichteten).
Glanzputz. Tadelakt wird aus einem speziellen Muschelkalk gewonnen, der schon vor mehreren tausend Jahren von marokkanischen Ureinwohnern zur Abdichtung von Trinkgefäßen verwendet und später als hochwertiger Glanzputz auch in Dampfbädern und Palästen ausgeführt wurde.
Poliert und geglättet. "Tadelakt erfühlt man am Besten", meint Genser, während er mit den Fingern behutsam über die Oberfläche seines Werkstückes fährt. Die nasse Grundmasse kann auch mit Abtönfarben gemischt und beliebig gefärbt werden. "Nachdem der Tadelakt aufgetragen ist, wird er mit Steinen poliert und geglättet", erklärt Genser, der schon mehrmals Marokko bereist hat. "Das Material ist wasserabweisend und eignet sich deshalb auch für Duschen Badewannen und Waschbecken. Die besondere Zusammensetzung hält auch Ungeziefer wie Fliegen und Spinnen fern", nennt der Experte einen weiteren Vorteil des Kalkputzes.
Gemeinschaftsprojekt. Neben den vielen Werkstücken, die die Teilnehmer mitgebracht haben, wird auch an einem Gemeinschaftsprojekt, einem Wandregal, gearbeitet. Die Öffentlichkeit wird auch schon bald Gelegenheit haben, es zu bewundern. Und zwar am 14. Juni, wenn am Vierkanthof von Sandra Ritter und Constanze Geiger eine indische Tempeltänzerin ihre Künste vorführt. Der Erlös des Abends kommt einem indischen Kinderkrankenhaus zugute.
Features
Kommentar
Fakten
Tanzauftritt von Bhakti-Devi, klassischer südindischer Tempeltanz: Bharatanatyam
Eintritt ist frei, Spenden gehen an ein Kinderkrankenhaus in Indien.
Programm: Beginn ist um 18 Uhr, Vierkanthof, Unterlungitz 30. Vorstellung des Projektes durch Bürgermeister Günter Müller, anschließend Tanzauftritt.
Infos: 0664-879 5679








