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Zuletzt aktualisiert: 16.10.2010 um 20:30 UhrKommentare

Gläserner Aufzug in die Kapelle

Pfarrer will einen Lift zur neuen Kapelle im Pöllauer Pfarrheim errichten. Gemeinde weiß davon nichts.

Der Pöllauer Pfarrer Roger Ibounigg, auch Seelsorger im benachbarten Pöllauberg, scheint ein Faible für Lifte zu haben. So zog er ursprünglich die Errichtung eines Personenliftes an der Wallfahrtskirche Pöllauberg in Erwägung, bevor sich schlussendlich die Idee mit dem zusätzlichen ebenerdigen Seiteneingang durchsetzte.

Was sich in Pöllauberg mit dem Zweiteingang unkompliziert lösen ließ, wird für Ibouniggs Vorhaben in Pöllau nicht möglich sein. Hier hat der Pfarrer soeben eine geräumige Kapelle, die 100 Gläubigen Platz bietet, im Winterchor im zweiten Obergeschoss des Pfarrhofes, der direkt an die Kirche angebaut ist, eingerichtet.

Vor Jahrzehnten war der einstige Gebetsraum der Augustiner-Chorherren gelegentlich als Theatersaal in Verwendung, zuletzt fristete der Raum ein ungenutztes Dasein. Nun wurde Ibounigg aktiv und installierte einen Andachtsraum, wo Exerzitien abgehalten werden können. "Es soll ein Ort der Stille für die innere Sammlung sein", skizziert der Geistliche.

Ibouniggs längerfristiger Plan zielt darauf ab, in der kalten Jahreszeit wochentags die Gottesdienste in der neuen Kapelle, die beheizt wird, abzuhalten. Unter Raimund Ochabauer, Ibouniggs verstorbenem Vorgänger, fanden diese in der Sakristei statt. Damit ist jetzt Schluss. Ibounigg ließ das Missionskreuz und den Altar aus der Sakristei in der neu adaptierten Marienkapelle aufstellen. Derzeit muss man, um dorthin zu gelangen, zahlreiche Stufen bewältigen. Da dies, so Ibounigg, gerade älteren Personen nicht zumutbar sei, bliebe vorerst keine Alternative als die Wochentagsmessen im Winter in der großen Basilika abzuhalten.

Ibounigg hat bereits konkrete Vorstellungen von dem aus seiner Sicht dringend benötigten Lift. Als Standort dafür biete sich die Ecke zwischen Pfarrhof und Kirche an. "Hier wäre der Lift hinter einem großen Baum und dem Kriegerdenkmal etwas versteckt. Er würde also optisch keinen wesentlichen Störfaktor darstellen", meint er.

Eingriffe

Zur Umsetzung bedürfe es an der baulichen Substanz des barocken Pfarrhofes relativ geringer Eingriffe, findet Ibounigg. "Man müsste nur im ersten und im zweiten Obergeschoss jeweils eine Öffnung in die Brüstungsmauer des offenen Ganges schlagen." Die Gesamtkosten für das Projekt beziffert der Geistliche mit rund 100.000 Euro. Um diese nicht unbeträchtliche Summe auftreiben zu können, hofft Ibounigg auf Sponsoren aus der Wirtschaft.

Die Finanzierung von Ibouniggs Lift-Träumen ist aber nur eine Hürde. Darüber hinaus gilt es, das Bundesdenkmalamt, das dabei ein gewichtiges Wörtchen mitzusprechen hat, und die Marktgemeinde Pöllau zu überzeugen. Der Hof, wo der Panoramalift geplant ist, gehört nämlich der Gemeinde.

Diese weiß jedoch noch gar nichts vom Ansinnen des Pfarrers. "Ich höre heute erstmals davon", sagt Bürgermeister Johann Schirnhofer. "Die Sache bedarf wirklich einer gründlichen Prüfung, bevor wir eine Entscheidung treffen."

FRANZ BRUGNER

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