Masernfälle in drei Schulen
Sechs Masernerkrankungen an zwei Haupt- und einer Volksschule in Pöllau. Amtsärztin hofft, dass durch Impfungen in den Schulen die Epidemiegefahr gebannt ist.

Foto © APA"Es sollte niemand zur Impfung gezwungen werden", so Ulrike Moser, Amtsärztin in Hartberg
Vor einem Jahr sorgte eine Masern-Epidemie an einer Salzburger Schule mit 176 Erkrankungen für Aufsehen. Damit verglichen sind die sechs Fälle, die seit Anfang April in drei Schulen in der Marktgemeinde Pöllau bei Hartberg aufgetreten sind, eine geringe Zahl. Auf Grund der Meldepflicht wurde die Bezirksbehörde jedoch aktiv.
Vorkehrungen getroffen. "Wir haben nach dem steirischen Epidemiegesetz alle Vorkehrungen getroffen, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern", sagt Ulrike Moser, Amtsärztin in Hartberg. Dazu zählte, dass alle Schülerinnen und Schüler, die noch keine Masern oder erst die erste der zweiteiligen Schutzimpfung hatten, sowie deren Eltern über die Impfmöglichkeit aufgeklärt wurden.
Frei entscheiden. "Es sollte niemand zur Impfung gezwungen werden", so die Ärztin, "nur dann sollten auch die möglichen Folgen bewusst sein." Anders als vor einem Jahr in Salzburg hätten sich in Pöllau fast alle betroffenen Eltern entschlossen, ihre Kinder impfen zu lassen. Moser: "Vereinzelt gab es schon Impfdiskussionen, die Kooperation war aber ausgesprochen gut." In den vergangenen beiden Tagen wurden in der Schule die Impfungen durchgeführt. Ein Vorteil sei gewesen, dass die Pöllauer Schüler durch die Masern-Mumps-Röteln-Impfung im Kleinkindalter schon eine relativ gute Grundimmunisierung gehabt hätten.
Kein Grund zur Sorge. Daher hofft die Hartberger Amtsärztin, dass man die Infektion in Pöllau begrenzt halten könne. "Da wir aber in die Inkubationszeit hineingeimpft haben, könnte es natürlich sein, dass noch vereinzelt Erkrankungen auftreten", bleibe noch eine kleine Unwägbarkeit. Grund zu großer Sorge oder dem Vermeiden sozialer Kontakte bestehe jedoch nicht.
Röteln in der Kaserne. Mit einer anderen, ähnlichen Viruskrankheit kämpft man seit Jahresanfang unter anderem beim Bundesheer: den Röteln. In sieben steirischen und einer burgenländischen Kaserne gab es vermehrt Krankheitsfälle. Österreichweit wurden heuer bereits 161 Rötelninfektionen gemeldet - im Jahr 2008 waren es insgesamt nur fünf, 2007 nur einer.
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Kommentar
Interview zum Thema
Wie gefährlich sind die Masern tatsächlich?
WERNER ZENZ: Diese Virusinfektion gehört zu den ansteckendsten Krankheiten. Sie ist für junge und alte Menschen gleichermaßen gefährlich und kann zu einer akuten Entzündung des Gehirns führen. Einer von 1000 Patienten stirbt daran. Besonders tragisch ist die unbehandelbare Gehirnentzündung, die ebenfalls immer tödlich endet. Rund zehn der Masernpatienten müssen auch gegen eine Lungen- oder Mittelohrentzündung behandelt werden.
Wie lange beträgt die Inkubationszeit?
ZENZ: Zwischen zehn und 14 Tagen. Typische Symptome sind Fieber, ein fleckiger Ausschlag, der zuerst hinter den Ohren auftritt und sich über den gesamten Körper ausbreitet, weiße Flecken an der Wangenschleimhaut, Husten und eine Bindehautentzündung. Ansteckend ist sie vier Tage vor und vier Tage nach Auftreten des Ausschlags. Übertragen wird Masern über die Tröpfcheninfektion, also Husten, Niesen.
Warum treten trotz Impfung immer wieder Fälle auf?
ZENZ: Weil rund zehn Prozent der Bevölkerung ihre Kinder nicht impfen lässt.








