So wenig Regen gab es noch nie
Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen hat es im südlichen Österreich nicht so wenig geregnet wie in den vergangenen Monaten. Ein Ende der großen Trockenheit ist nicht in Sicht.

Foto © APADas lange Warten auf den Regen
Das bringt selbst erfahrene Meteorologen ins Staunen: Seit Monaten hat es im Süden Österreichs nicht mehr ausgiebig geregnet. In weiten Teilen der Steiermark und Kärntens werden die Böden immer trockener, die Pegelstände der Flüsse und die Grundwasserreserven nähern sich einem Negativrekord. Und auch bei den Landwirten machen sich langsam die Sorgenfalten breit.
Die Experten der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (Zamg) haben auf Anfrage der Kleinen Zeitung ihre Aufzeichnungen durchforstet und stellen fest: Nie zuvor hat es im Süden Österreich um diese Jahreszeit so wenig geregnet. "Die letzten großen Regenfälle hat es vor dem Nationalfeiertag am 26. Oktober gegeben", sagt Meteorologe Albert Sudy. "So trocken war es zwischen November und März bisher noch nie." Und die Aufzeichnungen der Zamg reichen immerhin bis ins 19. Jahrhundert zurück.
So sind in Graz seit Ende Oktober 2011 insgesamt nur knapp 42 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. Im Lavanttal waren es sogar nur 33 Liter, in Klagenfurt 66. Zum Vergleich: Allein in einem durchschnittlichen März fallen in diesen Gebieten für gewöhnlich rund 50 Liter Regen. Damit hat 2011/2012 den bisherigen Trockenheitsrekordhalter 2001/2002 abgelöst (siehe Grafik und Infobox).
Schuld daran ist die Tatsache, dass sich in den vergangenen Monaten auffällig wenige Oberitalientiefs gebildet haben. "Und wenn es doch einmal eines gegeben hat, hat es Südösterreich bestenfalls nur gestreift", sagt Sudy.
Das geteilte Land
Anders ist die Lage nördlich der Mur-Mürz-Furche. Die Obersteiermark hat durch die reichhaltigen Schneefälle im Winter genügend Wasser abbekommen. Die fast traditionelle meteorologische Zweiteilung des Landes ist zurzeit besonders ausgeprägt. Während die Grundwasserpegel im Ennstal über dem langjährigen Mittelwert liegen, bewegen sie sich im Süden und Osten auf die Minimalwerte zu. "Im Lafnitztal ist das langjährige Minimum erreicht, und die Tendenz zeigt nach unten", sagt Robert Schatzl vom Landesreferat für Hydrografie. Ähnlich verhalten sich die Wasserpegel der Flüsse: Enns, Salza und Mürz führen Normalwasser, Sulm, Kainach und Lafnitz liegen mehr als die Hälfte unter den üblichen Werten.
Vor allem den Gemüsebauern macht die Trockenheit langsam zu schaffen. Sie wünschen sich eine längere Phase mit Regen. Die wäre auch nötig, um die Grundwasserspiegel wieder anzuheben. "Ein kurzfristiger Starkregen bringt da nichts. Der würde wegen der trockenen Erde eher zu Überschwemmungen führen", sagt Schatzl.
Nach nennenswerten Regenfällen sieht es ohnedies nicht aus. Die Meteorologen erwarten ab Freitag zwar eine Abkühlung und lebhaften Nordwestwind. "Der Süden wird aber wieder nur wenige Tropfen Regen abbekommen", sagt Sudy. Etwas mehr Niederschlag ist Mitte der Karwoche möglich. Diese Prognose ist allerdings noch ohne Gewähr.
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Fakten
Negativrekord: In den vergangenen fünf Monaten, in denen es im Süden kaum geregnet hat, haben Graz und die Südoststeiermark den bisherigen Trockenheitsrekord aus der Periode 2001/2002 in den Schatten gestellt.
Seit Beginn der Aufzeichnungen gab es nur neun Jahre, in denen zwischen Ende Oktober und Ende März in Graz nicht mehr als 100 Liter Regen pro Quadratmeter fielen. Die Rangliste:
1. Platz: 2011/12 mit 42 Litern
2. Platz: 2001/02 mit 65 Litern
3. Platz: 1948/49 mit 66 Litern
4. Platz: 1924/25 mit 86 Litern
5. Platz: 1988/89 mit 87 Litern und: 1989/90 mit 87 Litern
7. Platz: 1942/43 mit 93 Litern
8. Platz: 1952/53 mit 99 Litern









