Keine Spur von kalten Füßen
Alex Serdjukov (38) ist mit Hermann Maier auf dem Weg in die Antarktis und könnte der erste Steirer am Südpol sein.

Foto © APA/ORF
Eine Durchschnittstemperatur von minus 55 Grad, Windgeschwindigkeiten bis zu 100 km/h, kein fließendes Wasser, keine Zivilisation, keine Intimsphäre. Für die meisten von uns eine Horrorvorstellung, Alex Serdjukov freut sich auf diese Bedingungen hingegen wie andere auf das Christkind.
Der 38-Jährige bestreitet gemeinsam mit Sabrina Grillitsch (siehe unten), Schilegende Hermann Maier und Ö3-Mikromann Tom Walek den "Wettlauf zum Südpol". Derzeit sitzt das Quartett im Flieger nach Kapstadt, am 9. Dezember geht es weiter in die Antarktis, vier Tage vor Weihnachten erfolgt der Startschuss. Dann heißt es, die 400 Kilometer zum Südpol schneller zu bewältigen als das deutsche Team, bestehend aus Talkmaster Markus Lanz, Extremsportler Joey Kelly und zwei Kandidaten. Anlass dieses "Winterausfluges" ist das hundertste Jubiläum des Südpol-Rennens zwischen den beiden Forschern Roald Amundsen und Robert Falcon Scott, das der Norweger 1911 für sich entschied. Der ORF zeigt die Neuauflage dieser Expedition ab März.
Kälte-Fan
Der Kaindorfer Serdjukov ist prädestiniert für diese Ochsentour: "Mich bringst du nicht auf die Malediven und ich bin hitzeempfindlich", sagt der mehrfache Schlittenhunderennen-Europameister und Betreiber eines Huskycamps auf der Stubalpe. Um Maier und Walek begleiten zu dürfen, musste er sich gegen rund 2600 Bewerber durchsetzen. Ernsthafte Gegner waren aber nur wenige darunter. Viele disqualifizierten sich durch die Annahme, sie würden in der Antarktis auf Eisbären treffen oder kamen ins Auswahlcamp nach Allentsteig "mit einem Paar Schuhe und keiner Kleidung zum Wechseln - unvorstellbar", erinnert sich Serdjukov, der seinen russischen Namen den Großeltern verdankt. Nach einer Testexpedition in Norwegen sind die Aufgaben für die Antarktis eingeteilt: "Wir werden zwischen 12 und 16 Stunden pro Tag marschieren. Hermann und Tom sind für den Zeltaufbau zuständig, Sabrina räumt das Zelt ein, ich koche und heize." Die 60 Kilo Gepäck zieht jeder auf einer Pulka hinter sich nach, auf den Tisch kommt Weltraumnahrung ("Eine Art Himmeltau-Grießbrei mit Geschmack") oder auch "Gulasch oder Gröstl, je nachdem was wir vor dem Start einkaufen können".
Nackt in den Schnee
"Was wir in der Theorie gelernt haben, war sehr respekteinflößend - von Erfrierungen an den Gliedmaßen bis zum abgefrorenen Penis", sagt Serdjukov. Man habe aber "eine gute Gliedmaßenversicherung". Um sich zu waschen, gibt es spezielle Tücher: "Wenn es das Wetter erlaubt, bevorzugen wir aber die ,russische Methode': nackt in den Schnee, abreiben und sofort zurück ins warme Zelt." Sollte etwas passieren, gibt es einen Panik-Knopf, filmen wird man sich selbst, nur einmal täglich kommt für 15 Minuten ein Kamerateam. "Der Spaßfaktor im Team ist hoch, wir können aber binnen Sekunden auf Ernsthaftigkeit umschalten", ist er positiv gestimmt.
Und was ist sein Antrieb? "Ich werde - wenn alles gut geht - der erste Steirer am Südpol sein." Dass sich sein Team gegen die Deutschen durchsetzen wird, ist ihm klar: "Nach allem, was ich von ihnen gesehen habe, sind wir in der Favoritenrolle."









