Themenausstellung Tabak bei der regionale08
Die Geschichte der in Verruf geratenen Kulturpflanze Tabak schlägt bei der regionale08 Brücken zwischen Gestern und Heute, Ost und West.

Foto © regionale08Die Tabakhütte in Ilz
Eine der schönsten und besten Themenausstellungen der letzten Jahre ist "Vom Diwan in den Sattel oder: Wie der Marlboro-Man den Orient besiegte". Rund 100 Zigarettenschachteln und -dosen erzählen eine spannende Kultur- und Wirtschaftsgeschichte, die von differenzierten Prozessen und brutalen Wirtschaftsinteressen erzählen.
Ausstellungsstücke aus Mistkübeln. Kurator dieses alltagskulturellen Höhepunkts ist Joachim Hainzl, der einen wesentlichen Teil seiner nicht alltäglichen Sammlung aus Mistkübeln und Containern "gestierlt" hat.
Arabische Schriftzeichen. Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts kam der in unseren Breiten gerauchte Tabak aus dem "Orient", der bis ins Habsburger-Imperium reichte. Auf Zigarettenpackungen aus Bosnien finden sich arabische Schriftzeichen, der Islam war staatlich anerkannte Religion. Zigaretten hießen "Orient", "Balkan", "Mohammed", "Moslem", "Minarett".
"Orientalischer" Tabak. Nach zwei Weltkriegen verlor der "orientalische" Tabak immense Marktanteile, "american blend" hieß der neue Geschmack. Damit änderten sich auch die Images und Werbebilder. Die sexuell aufgeladenen Marken "Salome" (die mit dem Schleier) oder "Cleopoatra" verloren Terrain, "Dames" verkam zur ästhetischen Peinlichkeit.
Wirtschaftswunder. Andere Bilder bedienten das Wirtschaftswunder: Aufstieg, Eroberung, Freiheit, Genuss. Und dafür taugte idealtypisch der Marlboro-Mann. Auf der von Louise Martini besungenen "Chesterfield" wurde nach den 9/11-Anschlägen der Packungsaufdruck verändert: plötzlich waren die Minarette weg.
Kultivierung einer Pflanze. Ebenfalls Geschichte ist die Tabakproduktion in der Südoststeiermark. Der Künstler Richard Frankenberger (K.U.L.M.) erinnert sich und sammelte die Erinnerungen anderer, die mit der noch vor etlichen Jahren florierenden Kultivierung einer Pflanze zu tun hatten, die zwar aus dem Westen kam, aber historisch stark mit dem Osten (siehe oben) in Verbindung gebracht wird.
Kulturpflanzen. "Noch ist mündliche Erzählung möglich", sagtFrankenberger, als Schüler in den Ferien noch selbst in den Produktionsprozess eingebunden. Deshalb ist "oral history", konserviert im digitalen Medium des Videos, ein Teil seiner Arbeit, die reale Reaktivierung des Tabakanbaus ein anderer: In einem Kukuruzacker wurden mehrere hundert Stück der in Verruf geratenen Kulturpflanze gesetzt.
Historisches Trockenhaus. Die Ilzer Tabakhütte, ein historisches Trockenhaus, wird ab 25. Juli Ort einer dazu gehörenden Ausstellung und einer Klanginstallation sein. "Tabakhütte als Klangwelt" nennt der Musiker Winfried Ritsch seinen Beitrag, Das hölzerne Gebäude wird zum Instrument, "das den umgebenden Raum bespielt".









