Klienten klagen über Druck in der Betreuung
Mit heftiger Kritik wehren sich Klienten von pro mente in Hartberg gegen Druck, der angeblich auf sie ausgeübt wird. Die Geschäftsführung dementiert und ortet "Stimmungsmache".
Überforderte Trainer, unzufriedene Klienten, die unter massiven Leistungsdruck gesetzt werden - diese Vorwürfe richten Klienten an die psychosoziale Einrichtung pro mente Steiermark und deren Geschäftsführerin Andrea Zeitlinger.
Konkret geht es um rund zwölf Klienten in der von AMS und Land Steiermark geförderten Gartenbau-Sparte von pro mente. Dort sei der Druck für die psychisch Kranken zu hoch, "Krankenstände häufen sich, die unzumutbaren Vorstellungen der Geschäftsführung werden auf dem Rücken der Leute ausgetragen", heißt es in einem offenen Brief der Klienten, der der Kleinen Zeitung vorliegt.
Seit auch noch ein beliebter und kompetenter Fachtrainer gekündigt worden sei, weil er sich zu sehr für die Klienten eingesetzt habe, gebe es nur mehr "Angst und Verzweiflung in den Gesichtern", schildert eine Klientin weiter.
Wenig Zeit
Für den 36-jährigen Ex-Klienten Werner Jeindl, seit 1996 immer wieder bei pro mente, ist klar, warum es dazu kommen musste: "Die Arbeitszeitvorgaben sind ständig gestiegen. Bei den Trainern geht immer mehr Zeit für Dokumentation drauf, für die Menschen selbst bleibt immer weniger Zeit." Die Leute seien wegen ihrer psychischen Probleme eben nicht so belastbar, der Druck, auf dem Arbeitsmarkt unterkommen, sei zu hoch. So wurde die Arbeitszeit von sechs auf acht Stunden erhöht. "Die Leute schaffen das nicht, das geht nach hinten los", meint Jeindl. Klienten gingen in den Krankenstand, ebenso die Sozialtrainerin der Gruppe. Die Klienten fühlten sich in der Situation wohl allein gelassen, meint pro-mente-Fachtrainer Karl Lechner. Die Sparte Gartenbau wurde nun aufgelöst, bestätigt er.
Sensibel
Pro-mente-Geschäftsführerin Andrea Zeitlinger betont die sensible Situation der Klienten, der Trainer habe diese benützt, "um Stimmung gegen uns zu machen". Druck werde nicht erzeugt. Zwar wurden die Arbeitszeiten geändert, doch wurde dies mit den Trainern und Klienten abgestimmt. Es gehe darum, entsprechend den Vorgaben der Auftraggeber Land Steiermark und AMS die Menschen von Halbtags- auf Ganztagsbeschäftigung heranzuführen. "Der Trainer in Hartberg wurde gekündigt, weil er hier das Anforderungsprofil nicht erfüllt hat und Aufträgen nicht nachkam", so Zeitlinger.
Laut AMS-Sprecher Hermann Gössinger sind bei der Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt Erfolgsquoten von 30 bis 60 Prozent gefordert. Druck auf die Teilnehmer auszuüben sei nicht richtig. Andrea Zeitlinger hat nun den irritierten Klienten ein Gespräch angeboten.
Features
Fakten
Pro mente betreut in der Steiermark 1500 Menschen, 30 davon in Hartberg.
130 Mitarbeiter arbeiten derzeit bei 87 Projekten mit.
Ziel von pro mente ist es, die Situation psychosozial benachteiligter und beeinträchtigter Personen zu verbessern.







