Amtstierarzt sieht unbegründete Ängste
Der Hartberger Amtstierarzt Herfried Haupt beantwortet Fragen zur Impfung gegen die Blauzungenkrankheit, die manchen Landwirt verunsichert. Im Bezirk gibt es derzeit keine Impfverweigerer.

Foto © APABis jetzt gibt es laut Amtstierarzt Haupt im Bezirk Hartberg keine Impfverweigerer
Rund 52.000 Rinder, Schafe und Ziegen werden im Bezirk Hartberg seit Mitte Dezember gegen die so genannte Blauzungenkrankheit geimpft (wir berichteten). "Bis jetzt bin ich nur auf aufgeschlossene Landwirte gestoßen, die froh sind, dass ihre Tiere kostenlos geschützt werden", so Amtstierarzt Herfried Haupt, der mit 18 weiteren Tierärzten in der Region die Impfungen vornimmt. Bis jetzt gibt es laut Haupt im Bezirk Hartberg keine Impfverweigerer.
1. Rinderhalter in höheren Lagen bezweifeln die Sinnhaftigkeit der Impfung, weil die Überträger-Mücke dort gar nicht vorkomme. Die Alpen wirkten als sozusagen als natürliche Barriere gegen die Krankheit, die aus Deutschland hereindränge. Stimmt das?
HERFRIED HAUPT: Die Mücke, die das Virus überträgt, ist bis zu einer Seehöhe von 1140 Metern nachgewiesen - in dieser Höhe liegen uns bei im Bezirk Hartberg die höchstgelegenen Höfe. Bei der Landwirtschaflichen Fachschule Kirchberg am Walde in Grafendorf gibt es seit eineinhalb Jahren eine Mückenfalle, die regelmäßig untersucht wird. Dort wurde jene Mückenart, die Überträger des Virus sein kann, bereits gefunden. In Italien gab es beispielsweise bei Mailand einen Ausbruch, weil die Seuche durch Tiertransporte eingeschleppt wurde. Das Virus macht vor keinem Tunnel halt.
2.Die Landwirte fürchten sich vor Nebenwirkungen der Impfung bei den Tieren, wie beispielsweise Totgeburten. Sind schon Fälle aufgetreten?
HAUPT: Wir haben im Bezirk bereits rund 10.000 Tiere geimpft. Vier Fälle möglicher Nebenwirkungen wurden gemeldet, die derzeit untersucht werden. Nachgewiesen ist kein einziger.
3.Es wurden Befürchtungen geäußert, dass die Tierärzte mit der Impfaktion sogar zur Verbreitung der Krankheit beitragen?
HAUPT: Der Impfstoff ist ein Totimpfstoff, er enthält keine lebenden Viren. Für die Tierärzte gelten besondere Hygienemaßnahmen. Für jeden Bestand muss die Nadel der Spritze gewechselt werden, der Tierarzt muss nach dem Stallbesuch seine Stiefel reinigen und desinfizieren. Falls der Tierhalter einen eigenen, sauberen Schutzmantel für den Arzt bereithält, ist der Tierarzt verpflichtet, diesen anzuziehen.
4.Bedenken gibt es auch, weil es nach der Impfung für die Nutzung der Milch und des Fleisches keine Wartezeit gibt?
HAUPT: Das ist bei den meisten Impfungen nicht üblich und nicht notwendig - im Gegensatz zu medikamentösen Behandlungen auf Grund einer Krankheit.
5.Warum muss in Österreich geimpft werden, wo es noch kein erkranktes Tier geben soll?
HAUPT: Wir haben derzeit elf nachgewiesene Fälle in Österreich, bei denen Tiere das Virus in sich tragen. Es stimmt, dass sie noch keine klinischen Symptome zeigen. Aber die Mücke könnte von diesen Tieren aus bereits das Virus weiter übertragen. Wir wollen bei den Rindern, Schafen und Ziegen eine Durchimpfungsrate von 80 Prozent erreichen, damit das Virus nicht mehr weitergegeben werden kann. In Frankreich, der Schweiz und in Deutschland hat man damit sehr gute Erfolge erzielt.
6. Impfgegner führen ins Treffen, dass in manchen anderen betroffenen Ländern keine Impfpflicht herrscht?
HAUPT: 2008 wurde in Frankreich auf freiwilliger Basis geimpft. Die Durchimpfungsrate war aber so schlecht, dass man 2009 auf eine verpflichtende Impfung umgestiegen ist. In Deutschland besteht auch eine grundsätzliche allgemeine Impfpflicht, in einzelnen Ländern wurden Ausnahmen verschiedenen Ausmaßes, wie sie von den EG-Vorschriften möglich sind, gewährt. Die Ausnahmen beziehen sich aber vorwiegend auf jene Tiere, die bereits einer natürlichen Infektion ausgesetzt waren.
7. Es wird behauptet, die Impfung sei eine reine Geschäftemacherei der Pharmaindustrie?
HAUPT: Man muss bedenken, dass wir in Europa binnen kurzer Zeit einen wirkungsvollen Impfstoff entwickelt haben, der die Ausbreitung der Krankheit verhindert. Als karitativer Akt war das wohl nie vorgesehen und ist für den Hersteller womöglich ein gutes Geschäft sein. Aber in Österreich sind sowohl Impfstoff als auch Impfung gratis.








