Hand aktiviert Gehirn
Die Hartbergerin Ulrike Truger gehört einer raren Zunft an - jener der Steinbildhauer. Im Wiener Künstlerhaus ist ihr nun eine große Personale gewidmet.

Foto © APAUlrike Trugers "Marcus Omofuma Stein" steht heute als Denk-Mal beim Wiener Museumsquartier
Temporär hat Ulrike Truger wieder einmal ein Stück öffentlichen Raum besetzt. Um das Künstlerhaus am Wiener Karlsplatz stehen unübersehbar einige ihrer massiven Skulpturen. Truger, Schülerin von Wander Bertoni an der Wiener Angewandten, ist eine der raren Bildhauerinnen, die mit Hammer und Meißel Stein bearbeiten. Die aktuelle Schau bringt Arbeiten aus 30 Jahren.
"Eigenleben des Steins". In ihren Anfängen polierte Truger ihr Material glatt, später verwischte sie die Spuren ihres kraftvollen manuellen Eingriffs nicht mehr. Die zweifache Mutter sucht nach dem "Eigenleben des Steins", respektiert die Oberflächenstruktur der Brocken und sucht nach Ansatzpunkten, um den Widerstand des Materials zu brechen. Sie zeichnet selten bis gar nicht Vorskizzen: "Alles kommt aus dem Stein heraus. Die Arbeit mit der Hand setzt das Gehirn in Gang."
Serpentin vom Großvenediger. Gelegentlich muss sie auch zu Maschinen greifen. Etwa, wenn sie sich mit einem Serpentin vom Großvenediger konfrontiert.
Ohne Genehmigung. Truger, die im Oktober 60 wird, mischt sich immer wieder ins gesellschaftspolitische Leben ein. Nach dem Briefbombenattentat auf den Hartberger Pfarrer August Janisch platzierte sie kurzfristig ihre "Wächterin" in der oststeirischen Bezirksstadt. Seit 2000 steht das Werk vor dem Burgtheater. Ihren Marcus-Omofuma-Stein stellte sie ohne Genehmigung vor der Staatsoper auf. Jetzt ist diese Erinnerung an den in Behördenhänden verstorbenen Schubhäftling legalisiert und hat am Beginn der Mariahilfer Straße beim Museumsquartier seinen Platz gefunden. Für das Zentrum ihrer Heimatstadt schuf sie den "Steinernen Fluss".
Features
Ulrike Truger
Bis 13.02.2008 Künstlerhaus Wien, Karlsplatz 5.








