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Zuletzt aktualisiert: 20.01.2012 um 11:42 UhrKommentare

Ermittlungen auf der "Zielgeraden"

Acht Menschen starben vor zwei Jahren nach dem Konsum eines in Hartberg produzierten Quargels. Alle Gutachten sind mittlerweile eingelangt und werden nun geprüft.

Listerien in einem in Hartberg produziertem Quargel wurden gefunden

Foto © APAListerien in einem in Hartberg produziertem Quargel wurden gefunden

Vor zwei Jahren kam der Listerien-Skandal ans Licht der Öffentlichkeit: Acht Menschen sind in Österreich und Deutschland nach dem Konsum eines in Hartberg produzierten Quargels gestorben. Seither läuft ein Ermittlungs-Marathon, dessen Ende laut Staatsanwaltschaft Graz nun auf der "Zielgeraden" ist. Alle Gutachten seien eingelangt, sie würden nun geprüft und ein Vorhabensbericht an die Oberstaatsanwaltschaft Graz geleitet, so Sprecher der Staatsanwaltschaft Graz, Hansjörg Bacher.

Ermittlungsverfahren

Aus den zuletzt eingeholten Gutachten soll laut Bacher hervorgehen, ob die Listeriose im Käse der oststeirischen Firma den Tod von acht Personen mit- bzw. überhaupt verursacht hat, welche Gesundheitsschäden die anderen Patienten davongetragen haben und wie schwer sie erkrankten. Im Ermittlungsverfahren geht man laut Anklagebehörde von fahrlässiger Gemeingefährdung mit Todesfolge aus. Nach Prüfung aller Gutachten wird über eine eventuelle Anklage entschieden. Der Strafrahmen beträgt sechs Monate bis fünf Jahre Haft. Fünf ehemalige Mitarbeiter stehen unter Verdacht.

Mit einem Vergleich war indes im Juni 2011 eine Klage des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) gegen Prolactal beim Landesgericht Linz in Vertretung von sechs Erkrankten und zwei Erben ausgegangen. Das Ministerium hatte den Verein beauftragt, für Menschen, die sich durch den Konsum des mit Listerien kontaminierten Quargel-Käses von Prolactal geschädigt fühlen, verschuldensunabhängige Produkthaftungsansprüche geltend zu machen. Der VKI hat für die acht geschädigten Personen Schadenersatzansprüche in Höhe von 76.000 Euro geltend gemacht. Über den Inhalt des Vergleichs wurden keine Angaben gemacht. Die Geschädigten haben ihn jedenfalls angenommen.

Beim Standort von Prolactal in Hartberg blieb nach dem Skandal kein Stein auf dem anderen: Die Quargelproduktion wurde gänzlich eingestellt, das Werk konnte nur mit Mühe vor der kompletten Schließung gerettet werden. Jene 25 Mitarbeiter, die in der Sauermilchproduktion gearbeitet hatten, wurden teilweise in andere Bereich umgeschult, aber zum Großteil sukzessive bis Mitte 2010 gekündigt. Derzeit beschäftige Prolactal in der Oststeiermark rund 65 Mitarbeiter, so Sprecher Gerald Kneidinger zur APA. Die Umsätze seien seit 2009 von rund 54 Mio. Euro auf 47 Mio. Euro (2010) und 2011 sogar auf 34 Mio. Euro gesunken.

Während das Strafverfahren gegen Prolactal in Österreich im Finale ist, wurden die Ermittlungen in Deutschland nach einer Anzeige der Organisation Foodwatch gegen das Unternehmen bereits im März 2011 eingestellt. Auch das Verfahren gegen das Verbraucherministerium Baden-Württemberg ist von den Behörden zu den Akten gelegt worden. Eine Beschwerde bei der Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart sei laut Foodwatch im vergangenen August abgelehnt worden. Die Ermittlungen gegen den ebenfalls von der Organisation angezeigten Lebensmittel-Discounter Lidl, der den Käse in den Regalen hatte, dürften von der Staatsanwaltschaft Heilbronn noch immer im Laufen sein.


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