Jetzt wird gegen Heimleiter ermittelt
Staatsanwaltschaft prüft Übergriffe im Landesjugendheim Hartberg. Auch Heimleiter Karl Pack im Fokus der Ermittler.

Foto © PilchVieles hat sich im Jugendheim unter Karl Pack zum Positiven geändert. Darauf ist er stolz. Doch jetzt wird ermittelt
Die Staatsanwaltschaft Graz hat sofort reagiert: Nach den Exklusiv-Berichten der Kleinen Zeitung über mögliche Übergriffe im Landesjugendheim Hartberg wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet - auch gegen Heimleiter und Bürgermeister Karl Pack. Das bestätigt STA-Sprecher Hansjörg Bacher. Im Ermittlungsverfahren werde natürlich auch die Verjährung eine Rolle spielen, so Bacher. Aber man müsse sich die Vorwürfe trotzdem genau ansehen.
Kein Trittbrettfahrer
Zu den schweren Anschuldigungen, die der in Wien lebende Hartberger Alfred P. (45) gegen ihn erhoben hat, sagt Karl Pack: P. sei ein Trittbrettfahrer, der sich bei der Opferschutzkommission Geld herausschinden möchte. Er, (Pack) habe sich weder als Erzieher, noch als Heimleiter etwas zuschulden kommen lassen.
"Ich bin kein Trittbrettfahrer", kontert Alfred P. "Ich habe schon vor 20 Jahren einem Freund und dessen Mutter erzählt, was mir im Heim Schlimmes passiert ist. Dass es in der Steiermark eine Opferschutzkommission gibt und ich eine Entschädigung geltend machen kann, weiß ich erst seit gestern."
Ihm gehe es in erster Linie nicht ums Geld, sondern darum, dass ihm jemand zuhört, ihm hilft, das ganze Leid aufzuarbeiten. "Ich bin ins Heim gekommen, weil ich elternlos war. Ich weiß nicht ein Mal, ob ich Geschwister habe."
Der Hartberger Alois M., der das Schicksal von Alfred P. seit Jahrzehnten kennt, bestätigt dessen Aussagen. "Er wollte schon früher reden, aber ich habe ihm davon abgeraten, weil Pack ein mächtiger Mann ist. Aber jetzt, wo die Kleine Zeitung über einen ähnlichen Fall aus dem Hartberger Heim berichtet hat, habe ich ihm geraten zu reden. Das hat er getan."
Mittlerweile haben sich in der Redaktion der Kleinen Zeitung weitere Betroffene gemeldet. Bei den Schilderungen der Übergriffe taucht immer wieder der Name Karl Pack auf. "Der braucht sich jetzt gar reinwaschen", ärgert sich der Grazer Franz S. (46), der mit 15 Jahren ins Landesjugendheim Hartberg eingewiesen wurde. "Ich habe von ihm nicht nur eine Fotz'n bekommen. Vor dem haben alle Angst gehabt. Der Wolferl kann das bestätigen." Wolfgang M. (42) war zusammen mit Franz S. Zögling in Hartberg.
Auch vor der Zeit von Karl Pack soll es Übergriffe gegeben haben. Das weiß der 68-jährige Helmut F. aus Linz zu berichten: "Schläge standen auf der Tagesordnung. Ich musste Erbrochenes aufessen, der Erzieher hat mit dem Hosenriemen auf mich eingedroschen. Ähnliches habe ich auch im Rosenhof in Graz erlebt. Dort hat mir ein Erzieher das Nasenbein gebrochen. Ich weiß heute noch seinen Namen."
Gewalt-Hierarchie
Ein anderes Kapitel, das die Heiminsassen geprägt hat, beschreibt der pensionierte Sonderschuldirektor, der namentlich nicht genannt werden möchte. Diese Schule gehörte zum Landesjugendheim. "Wir haben gemerkt, dass es unter den Zöglingen eine Gewalt-Hierarchie gab. Davon war auch Alfred P. betroffen. Er hat darunter sehr gelitten, ich habe ihm einmal geholfen."
Dramatisch sei die Brutalität gewesen, mit der die Konflikte unter den Jugendlichen ausgetragen wurden. Es habe deswegen immer wieder heftige Diskussionen mit den Erziehern gegeben, so der ehemalige Schulleiter. "Mit einigen war ein Gespräch möglich. Die anderen haben nicht auf uns gehört und sind ihren eigenen Weg gegangen. Für uns Lehrer war diese Machtlosigkeit ein Thema."
Als der Direktor die Idee für einen Schulversuch hatte, schaffte er sich im Heim nicht nur Freunde. "Mir wurde klar, dass man außerhalb des Heimes ansetzen und schauen muss, dass die Kinder erst gar nicht eingewiesen werden. So hatte ich die Idee mit den Beratungslehrern."
Damals, Anfang der 80er-Jahre, habe er begonnen, Schulen, in denen es problematische Kinder gab, zu besuchen und Lehrern und Betroffenen beizustehen, "30 Jahre habe ich das gemacht." Einer jener, der deshalb nicht zu seinen Freunden gehört habe, sei Heimleiter Karl Pack gewesen. Der Grund, so der ehemalige Direktor, sei klar gewesen: "Die Heiminsassen wurden weniger, die Schule wurde schließlich aufgelassen."
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Bild vergrößernDrei von vielen Betroffenen: Wolfgang H., Alfred P. und Helmut F. Alle leiden noch unter traumatischen Ereignissen im Landesjugendheim HartbergFoto © Privat
Drei von vielen Betroffenen: Wolfgang H., Alfred P. und Helmut F. Alle leiden noch unter traumatischen Ereignissen im Landesjugendheim HartbergGrafik © Privat
Anlaufstelle
Das Gewaltschutzzentrum in Graz ist Anlaufstelle für alle Geschädigten. Dort werden die Fälle geprüft und an die Opferschutzkommission des Landes weitergeleitet. Betroffene können sich unter der Telefonnummer (0316) 77 41 99 oder unter der Mailadresse office@gewaltschutzzentrum.at melden.









