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Zuletzt aktualisiert: 13.08.2009 um 21:22 UhrKommentare

"Alte Bäume nicht mehr verpflanzen"

Dem Kapuzinerkloster in Hartberg fehlt der Nachwuchs. Deshalb steht die Schließung im Raum. Dagegen haben mehr als 1000 Menschen unterschrieben.

Es sind gerade einmal vier Kapuziner, die in der weitläufigen Hartberger Klosteranlage samt eigener Kirche ihren großteils seelsorgerischen Verpflichtungen nachgehen. Geleitet wird das Kloster vom Jüngsten des Klosterquartetts, dem 47-jährigen Guardian Johannes, einem gebürtigen Polen. Pater Werner (78) ist der dienstälteste Kapuziner in Hartberg. Seit insgesamt 36 Jahren gehört er dem Kloster an. Beim stillen Lesen im lateinisch verfassten Brevierbuch will er nicht gestört werden. Auch wenn die Studierstube mit der vom Chorherrenstift Vorau nicht ganz mithalten kann, beherbergt sie doch manche Rarität.

Pater Johannes, der sein Theologiestudium in Krakau absolvierte, wollte ursprünglich missionarische Aufgaben in Afrika übernehmen. Auf dringendes Ersuchen seines Vorgesetzten nach Österreich zu gehen, da hier aufgrund der schwindenden Zahl an Mönchen eine mögliche Schließung des einen und anderen Klosters drohe, änderte er seine Lebensplanung. Er wurde dem Kapuzinerkloster Wolfsberg zugeteilt. Doch trotz polnischer Nachbarschaftshilfe blieb Wolfsberg die Schließung nicht erspart. Seit sechs Jahren wirkt Pater Johannes nun in Hartberg.

Alle drei Jahre wird beim Provinzialkapitel, der Zusammenkunft der Führungsriege, nicht nur der Provinzial, der Kopf der Kapuziner, neu gewählt, sondern auch darüber beratschlagt, ob angesichts der dünnen Personaldecke ein Kloster aufgegeben wird. Zuletzt ereilte neben Wolfsberg das Kloster Gmunden dieses Los. Zur Debatte stand auch Hartberg und wird auch bei der nächstjährigen Zusammenkunft wohl wieder stehen. Pater Johannes will für dessen Erhalt kämpfen. "Alte Bäume soll man nicht mehr verpflanzen", meint er. Damit spielt er auf das fortgeschrittene Alter seiner drei Mitbrüder an. Alle sind deutlich über 70 Jahre alt.

Dann erzählt Pater Johannes von den Unterschriftenlisten, die in der Hartberger Pfarrkirche wie in der Klosterkirche auf private Initiative hin gegen eine Schließung des Klosters aufgelegen sind. "Es haben einige tausend Leute unterschrieben", freut er sich. Und wälzt fleißig Pläne gegen das Schließungsgespenst. Was in anderen Klöstern bereits erfolgreich exerziert wird, könnte auch in Hartberg Schule machen - nämlich ein Klosterleben auf Zeit. Gestresste Personen könnten sich eine gewisse berufliche Auszeit nehmen und im Kloster ihre leeren Batterien durch Mitarbeit und gemeinsames Gebet wieder aufladen.

FRANZ BRUGNER

Fakten

Das Kapuzinerkloster in Hartberg liegt in der Grazerstraße.

Eine in Stein gemeißelte lateinische Inschrift zeugt von der Gründung im Jahr 1634.

Geleitet wird das nur mehr vier Mitglieder starke Kloster von Guardian Johannes (47).

In der Kirche finden wöchentlich öffentliche Gottesdienste statt.

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