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Zuletzt aktualisiert: 11.02.2009 um 09:57 UhrKommentare

Politische Sekretäre machen oft Karriere

Loyalität, Erfahrung, Beziehungen: Politische Sekretäre landen oft ganz oben. Nicht nur in der Estag.

Helmut Hirt begann Berufsleben als Polizist

Foto © Erwin ScheriauHelmut Hirt begann Berufsleben als Polizist

Oswin Kois ist mit den Mechanismen der Landespolitik gut vertraut. Deshalb war der 57-Jährige noch kaum als neuer Vorstand der Energie Steiermark bestellt, als er auch schon imagemäßig vorbaute: Er wolle bitteschön in der neuen Funktion "ausschließlich als Energiefachmann" wahrgenommen werden. Dem Wunsch soll gerne nachgekommen werden. Kois, seit mittlerweile mehr als zwölf Jahren im Energiebereich tätig, kennt fraglos die Materie. Trotzdem ist es bemerkenswert, dass der studierte Jurist mittlerweile als Energiefachmann fungiert. Vermutlich hätte er das auch ohne die Nähe zur Parteipolitik geschafft - Juristen in Vorstandsetagen sind nicht unüblich. Aber Kois hätte sich vielleicht an manchem Punkt härter durchbeißen müssen.

Herbert Paierl. Der rasche berufliche Aufstieg manches politischen Sekretärs hat schon immer die Phantasie der Beobachter beflügelt. Denn die Mitarbeiter der Politiker machen gerne und scheinbar mühelos in der landes- oder staatsnahen Wirtschaft Karriere. Der Energiebereich ist die Paradedisziplin: Herbert Paierl, einst Sekretär von Josef Krainer, werkte danach in der Steweag. Paierls Sekretär Urs Harnik-Lauris wechselte von der Politik in die Elektronik-Schmiede AMS und dann in die Energie Graz. Ein weiterer Paierl-Sekretär, Wolfgang Malik, ist Grazer Stadtwerke-Vorstand. Und auch der frühere Gas-Wärme-Vorstand Günter Dörflinger war einst Sekretär, nämlich beim Grazer Bürgermeister Alfred Stingl.

"Unausgesprochenes Gegengeschäft". Die Autobahngesellschaft Asfinag, landesnahe Banken, Tourismusgesellschaften, Landesmuseen: In vielen Bereichen zieren die Namen ehemaliger Polit-Sekretäre die Türschilder in den Chefetagen. Wobei man eben nicht überall dunkle Mauscheleien vermuten muss. Der Politologe Peter Filzmaier spricht gleichwohl von einem "unausgesprochenen Gegengeschäft", das ein Sekretär mit dem Politiker eingeht: Der Sekretär knüpft sein eigenes Schicksal an jenes des Politikers, erwartet sich dafür aber eine Absicherung und meist auch konkrete Karriere-Optionen. Filzmaier: "Das ist dann nicht problematisch, wenn der Betreffende neben seiner Parteinähe auch die erforderliche sachliche Qualifikation mitbringt."

Schein-Objektivierung. Als ärgerlich wertet der Wissenschaftler jedoch die weit verbreitete Schein-Objektivierung: Wird ein Top-Job, der unter der Hand schon vergeben ist, scheinheilig öffentlich ausgeschrieben, dann ist das eine Zumutung für andere Bewerber. Weiters gilt auch der unterschiedlich gute Zugang der Parteien zu den Spitzenposten als Problem: Zu den Grünen etwa kann ein Karrierist kaum gehen.

Karriere. Die meisten Sekretäre machen übrigens in Verwaltung und Politik selbst Karriere - als Bezirkshauptleute, Rechnungshofchefs oder Landesräte. Wie aktuell Helmut Hirt, Kristina Edlinger-Ploder und Vizelandeshauptmann Kurt Flecker.

CLAUS ALBERTANI, ERNST SITTINGER

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