Ein Leben im Dienst der Nächstenliebe
Verwandtenbesuch in Indonesien stand heuer am Reiseprogramm von Heinz Damm. Mit seiner Frau besuchte er seine Cousine, die dort als Missionsschwester den Menschen hilft.

Foto © PrivatGabriele und Heinz Damm besuchten Schwester Christa auf der Insel Alor
Indonesien verbindet man schnell mit dem Ferienparadies Bali. Die vornehmlich hinduistisch geprägte Bilderbuchinsel mit den pittoresken Pagoden und den weißen Sandstränden - eine von rund 17.000 indonesischen Inseln - war eines von mehreren Eilanden, auf die das Hartberger Lehrerehepaar Heinz und Gabriele Damm auf seinem mehrwöchigen Indonesientrip den Fuß setzte. Das Hauptmotiv ihrer Fernostreise war aber der Besuch von Damms Cousine Herta Freithaler, die als Nonne bei den Steyler Missionsschwestern ihr Leben in den Dienst der gelebten Nächstenliebe gestellt hat. Auf der Insel Alor leitet die gebürtige 70-jährige Oststeirerin aus Hainersdorf eine Krankenstation. Zwei heimische geistliche Schwestern gehen ihr dabei hilfreich zur Hand.
Die medizinische Ausstattung dieser Station ist unterster Standard. Sieht man das Blutdruckmessgerät, das dort in Verwendung ist, wäre das ein begehrtes Sammelobjekt auf jedem hiesigen Flohmarkt. Einen Operationssaal kennt man nicht. Da außerdem der nächste Arzt meilenweit entfernt ist, muss Schwester Christa - so ihr klösterlicher Name - Allroundfähigkeiten im weißen Kittel haben.
Als ausgebildete Krankenschwester und Hebamme, wofür sie Anfang der 1960er Jahre für einige Jahre in Chicago weilte, ist sie weit mehr als mit dem kleinen ABC der Schulmedizin vertraut. Außerdem stünde sie, so Damm, in einem gewissen Konkurrenzverhältnis zu den Medizinmännern, wie man sie heute noch in den entfernten Landstrichen in Indonesien vorfindet. Einen klaren Punktesieg hat Schwester Christa dabei schon errungen. Seit sie die Frau eines angesehenen Dorfhäuptlings heilte, ist der Grad ihrer Reputation nochmals nach oben geschnellt. Pro Tag hätte seine Cousine, wie Damm berichtet, zwischen 30 und 70 Patienten zu behandeln. Darunter gäbe es auch schwierige Fälle wie Malaria oder Lepra.
Von welchen archaischen Stammesriten das Leben auf Alor noch bestimmt wird, konnten Heinz und Gabriele Damm während ihres Aufenthaltes selbst miterleben. Bei einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen den Burschen zweier Dörfer gab es ein tödliches Opfer. Der Tote war von einem Pfeil durchbohrt worden.
Ahnenkult
Einmal durfte man Schwester Christa samt dem dortigen Erzbischof zu einer Firmung in ein abgelegenes Bergdorf begleiten. Eine befestigte Straße gab es dorthin nicht. Also hieß es auf der Ladefläche eines "panzerähnlichen Fahrzeuges", wie es Damm bezeichnete, Platz zu nehmen. "Ich stand Todesängste aus, weil es unheimlich steil bergauf ging", erinnert sich Gabriele Damm. Bei der Zeremonie selbst gab es für die Gäste ebenfalls eine neue Erfahrung. An der katholischen Feier nahm auch ein moslemischer Würdenträger teil. "Indonesien hat eine multi-konfessionelle Gesellschaft. In Alor selbst wird vielfach noch ein Ahnenkult betrieben", schildert Heinz Damm das religiöse Erscheinungsbild.
Features
SCHWESTER CHRISTA
Herta Freithaler wurde 1939 in Hainersdorf geboren. 1959 trat sie in den Steyler Missionsorden ein.
Zwischen 1963 und 1966 absolvierte sie eine Krankenschwesterausbildung in den USA.
Von 2002 bis 2008 leitete sie eine Krankenstation auf der Insel Alor. Seit September ist sie in Lahorus (Timor) tätig.







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