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Zuletzt aktualisiert: 22.04.2012 um 16:33 UhrKommentare

Das ganze Berufsleben in der gleichen Firma

Mehr als 46 Jahre war Josef Sampt aus Welten bei Vossen in Jennersdorf beschäftigt. Mit Ende April endet seine Berufslaufbahn bei der renommierten Frottiermarke.

Josef Sampt am Eingangstor zum Werk des renommierten Frottierartikel-Produzenten Vossen in Jennersdorf

Foto © STEINER Josef Sampt am Eingangstor zum Werk des renommierten Frottierartikel-Produzenten Vossen in Jennersdorf

An seinen ersten Arbeitstag erinnert sich Josef Sampt noch gut: "Es war der 13. September 1965, ein Montag - und kein Freitag." Glück gebracht hat ihm der 13. im Berufsleben auf jeden Fall. Nur wenige können auf eine Laufbahn in einem einzigen Unternehmen über ihr gesamtes Arbeitsleben hinweg zurückblicken.

Fleiß und Gefühl im Umgang mit Leuten nennt Sampt, der mit Ende April in Pension gehen wird, als Gründe dafür. Dazu kommen eine gewisse Cleverness und eine Einsatzbereitschaft, die man beinahe bedingungslos nennen möchte: "Meine Devise war: Wenn der Betrieb mich braucht, schaue ich nicht auf die Uhr. Wenn es gebrannt hat, dann bin ich eingesprungen." Das gilt im übertragenen, wie auch im wörtlichen Sinn - denn selbstverständlich ist der 63-Jährige Mitglied der Vossen-Betriebsfeuerwehr.

Im Versand

Begonnen hat Sampt dort, wo man heute von Logistik spricht: im Versand. "Die Kartons mussten mit Papierklebebändern vorbereitet werden, auf die Lastwagen wurde dann händisch verladen." Mit Filzstiften wurden die Adressen auf zwei Seiten der Kartons geschrieben. Schon damals waren die qualitativ sehr hochwertigen Handtücher und Bademäntel von Vossen äußerst beliebt und wurden in viele Länder geliefert. Bereits am dritten Arbeitstag durfte Sampt schreiben. Ob die Schrift so schön war? "Anscheinend hat es gereicht", gibt er sich bescheiden. Nur unterbrochen vom Wehrdienst war Sampt bis 1981 im Vertrieb tätig. Von der Kommissionierung bis zur Zustellung und Abholung der Waren bei Heimarbeitern - dort wurden die vorgeschnittenen Handtücher genäht - reichte das Aufgabengebiet. Später kam die Retourenabteilung dazu.

Leibchauffeur

So nebenbei wurde Sampt zum Leibchauffeur von Burghard Vossen, legendärer Gründer des Unternehmens und Erfinder des Haus- und Bademantels aus Frottier. Der hatte 1961 das Werk in Jennersdorf gegründet. Ab den 70er- Jahren holte Sampt den Chef von den Flughäfen in Wien oder Graz ab, wenn der oft spätabends aus dem Stammwerk in Gütersloh ankam, um ihn ins Südburgenland zu bringen. Auch dessen Sohn Norbert Vossen chauffierte er. Erlebnisse davon erzählt er natürlich nicht: Absolute Diskretion gehört schließlich zu einem Chauffeur.

1981 folgte ein Karrieresprung. Der Betriebsleiter bot ihm an, die gerade vakante Position des Abteilungsleiters im Versand zu übernehmen. Sampt griff zu. Fuhrparkleitung, Abfallentsorgung und Außenanlagen kamen mit der Zeit dazu. Bei der Näherei im Werk St. Gotthard hat er Abläufe koordiniert und war zeitweise in der Geschäftsleitung tätig.

Zoll-Coup

Ein Coup gelang ihm damit, die Zollabfertigung durch die Firma durchführen zu können. Sampt machte Zollkurse in Wien und wurde Zolldeklarant: "Das hat der Firma einiges an Ersparnis gebracht."

Diese Vielseitigkeit hat einen Geschäftsführer bewogen, Sampt nach seiner Ausbildung zu fragen. Die Antwort, "Acht Jahre Grundschule", sorgte für Staunen. "Dazu kam dann natürlich einiges an Weiterbildung", fügt Sampt mit einem Schmunzeln hinzu.

16 Geschäftsleitungen er in seiner Laufbahn im Unternehmen erlebt: "Es gab auch harte Zeiten - da war nicht immer nur Sonnenschein." Der wohl gröbste Einschnitt war der Konkurs Ende des Jahres 1996. "Ich habe immer den Gedanken gehabt, dass es mit Vossen weitergeht", so Sampt. Er sollte recht behalten. Eine Investorengruppe übernahm Markenrechte und Produktion, die auf den Standtort Jennersdorf konzentriert wurde.

Dieser Glaube an das Unternehmen war auch der Grund, dass er bis zu seiner Pensionierung dort tätig sein konnte - da ist sich der 63-Jährige ganz sicher.

HELMUT STEINER

FAKTEN

Josef Sampt wurde am 3. Dezember 1949 geboren.

Er lebt mit seiner Frau Margarete in Welten (Gemeinde St. Martin/R.).

Kinder: zwei.

Am 13. September 1965 begann er bei Vossen in Jennersdorf zu arbeiten. Mit Ende April geht er in Pension.

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