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Zuletzt aktualisiert: 08.05.2009 um 21:24 UhrKommentare

Ein Dutzend Güssings für jedes Bundesland

Bürgermeister und Installateure aus ganz Österreich wurden in Güssing mit Wegen zur Energieautarkie und der Königsdisziplin der erneuerbaren Energie bekannt gemacht.

Herbert Reisinger, Werner Rauscher mit zertifizierten Solarteuren

Foto © Helmut SteinerHerbert Reisinger, Werner Rauscher mit zertifizierten Solarteuren

Wenn etwas passiert, dann nur von der Basis aus. Für erneuerbare Energie hat dieses Diktum besondere Gültigkeit. Eine Erkenntnis, die sich auch bei der Leistungsgemeinschaft Steirischer Installateure (LSI) durchgesetzt hat. Daher hat das Installateurnetzwerk über das European Center for Renewable Energy (ECRE) in Güssing eine Solarteur-Ausbildung für die Mitgliedsbetriebe aus ganz Österreich organisiert. Zum Abschluss, bei dem die Zertifikate überreicht wurden, fand ein Bürgermeistertag statt, um Kommunalpolitikern aus den Gemeinden der teilnehmenden Betriebe erneuerbare Energielösungen anhand der Stadt Güssing als europaweitem Paradebeispiel in Sachen Energieautarkie näher zu bringen. "Wir nehmen das Heft selber in die Hand und versuchen Güssing in andere Regionen zu bringen", erläuterte LSI-Geschäftsführer Herbert Reisinger die Zielsetzung.

Dezentraler Energiemix. Stadtoberhaupt Peter Vadasz umriss vor zahlreichen Gemeindevertretern vor allem aus der Steiermark den Weg Güssings seit Anfang der 90er-Jahre. Es begann mit der Entscheidung für die Fernwärme aus Biomasse zur Versorgung aller öffentlichen Gebäude. Heute produziert man 42 Megawatt und deckt damit zu 99 Prozent den Wärmebedarf von Haushalten und Industrie aus erneuerbarer Energie ab. Als nächste Schritte folgten die Stromerzeugung über ein Verfahren mit Wirbelschicht-Dampfvergasung, Biogas aus Gras und Klee und mittlerweile ist man bei synthetischem Erdgas angelangt, das in der Methanisierungsanlage erzeugt wird. In kleinen Mengen produziert man schon Diesel und Benzin. Besonders werde man aber auf die Sonne setzen. Nicht ohne Grund steht Österreichs einzige Fotovoltaik-Firma in Güssing. "Die Zukunft ist der Energiemix", steht für Vadazs fest. Um ein sehr hohes Maß an regionaler und dezentraler Energieversorgung zu erreichen, kommt es auf die Initiativen in den Gemeinden an. Vadasz Appell ging an seine Amtskollegen: "Die Bürgermeister sind die wichtigsten Politiker. Wo sie etwas tun, entsteht etwas, sonst passiert nichts."

Fotovoltaik. Schwerpunkt Sonnenenergie. ECRE-Vorstand Werner Rauscher, der die Solarteur-Ausbildung konzipiert hat, kann das nur unterstreichen. Er legte den Schwerpunkt auf die Sonnenenergie, die mit Abstand größte Kraft: "Die Königsdisziplin der erneuerbaren Energie ist die Fotovoltaik. Alle anderen Formen sind technologisch an der Grenze angekommen. Die Fotovoltaik ist die einzige Disziplin, die die Entwicklung noch vor sich hat."

Abhängigkeiten. Die aktuelle Krise komme genau richtig, um sich aus den eklatanten Abhängigkeiten von fossilen Energieträgern zu lösen. Ausreden lässt Rauscher nicht mehr gelten. "Was Güssing als eine der ärmsten Regionen ohne Bahn- und Autobahnanschluss zu Zeiten geschafft hat, als die fossilen Energieträger noch relativ billig waren, können andere auch." Das ist für Rauscher keine Frage der Systeme, sondern der Menschen.

Klima- und Energiefonds. Der erste Schritt sind Energiemanager für die Gemeinden, die der Klima- und Energiefonds künftig großzügig fördern wird (zu 100 Prozent im ersten Jahr). Denn viele Gemeinden haben keine Ahnung von ihrem Energieverbrauch. Was es braucht, ist für Rauscher klar: "In jedem Bundesland müssen Dutzende Güssings entstehen." Das Einfamilienhaus, dass energetisch nach dem Selbstversorgerprinzip funktioniert, ist ein Weg dorthin. Zehn Prozent der burgenländischen Haushalte mit Wärmepumpe, Fotovoltaik und Sonnenkollektoren entsprechend umzubauen, lautet das Ziel. Das geht nur mit Hilfe der Kommunen. Schlecht stehen die Chancen nicht, denn bereits 80 Gemeinden österreichweit sind intensiv am Güssinger Weg interessiert.

HELMUT STEINER

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