Austritte im Kernland der Katholiken
Seit Jahren kämpfen katholische und evangelische Pfarren in der Region mit sinkenden Mitgliederzahlen. Die Südoststeiermark bleibt trotzdem katholisches Kernland.

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Die katholische Kirche hat ein Problem: Sie schrumpft. Allein 2008 traten in der Steiermark 6567 Katholiken aus der Kirche aus. Im Gegenzug fanden allerdings 1463 wieder den Weg zurück in die Kirche. Auch in der Südoststeiermark, einem "katholischen Kernland", wie sie Georg Plank - Sprecher der Diözese Graz-Seckau - nennt, macht sich der Trend zu weniger statt mehr bemerkbar. In den beiden südoststeirischen Dekanaten Feldbach und Waltersdorf traten im vergangenen Jahr 139 Menschen aus der katholischen Kirche aus, dem stehen 22 Wiedereintritte gegenüber. 2006 waren es noch 134 Austritte und 25 Wiedereintritte. Plank relativiert: "Im langjährigen Vergleich ist die Zahl der Austritte konstant, während die Wiedereintritte in den letzten Jahren wie in der ganzen Diözese laufend gestiegen sind." Dennoch: Es treten mehr aus als ein.
Dominant. Die nackten Zahlen belegen andererseits, wie dominant der katholische Glaube in der Südoststeiermark ist: 94 Prozent der Einwohner im Bezirk Feldbach sind Katholiken, 88 Prozent in Fürstenfeld. Zum Vergleich: Der steirische Durchschnitt liegt bei 74 Prozent.
Der Fladnitzer Theologe Leopold Neuhold, Leiter des Instituts für Ethik und Gesellschaftslehre, erklärt diese Dominanz mit der "traditionellen Bindung". Über Jahrhunderte war die Kirche am Land die Leitinstitution.
In den Städten hingegen, wo die Industrialisierung voll durchschlug, habe es die katholische Kirche versäumt, auf neue gesellschaftliche Entwicklungen und Fragen einzugehen. Darum wandten sich Arbeiter ab, während die Menschen am Land der Kirche eher treu blieben.
Attraktiver Gegenwert. Neuhold stellt jedoch klar: "Wir leben nicht im gelobten Land." Auch in der Südost-steiermark seien die Kirchenaustritte zu einem Thema geworden. Der Theologe führt dies unter anderem auf die Kirchensteuer und die wirtschaftliche Denkweise der Leute zurück: "Die Menschen fragen sich heute: Was habe ich davon?" Daher stehe die Kirche unter Begründungspflicht und müsse einen attraktiven Gegenwert anbieten. "Das Angebot von Gemeinschaft wäre ein konkreter Punkt des Ansatzes", so Neuhold, der außerdem rät: "Die Kirche muss auf die konkreten Probleme des Einzelnen eingehen." Früher gab die Kirche die Lebensgestaltung vor, heute solle sie besser Menschen begleiten und helfen, ihre Probleme zu lösen, als Vorschriften zu machen und Verbote auszusprechen. Diesen Wandel gäbe es zwar schon teilweise, aber noch immer zu wenig, so Neuhold.
Übertritt. Evelyn Bürbaumer, die evangelische Pfarrerin in Fürstenfeld, spricht aus eigener Erfahrung: "Katholiken, die zum evangelischen Glauben übergetreten sind, haben als Gründe angegeben, dass das Bedürfnis nach einer offenen Kirche da ist, die nicht alles vorschreibt und eigenständige Entscheidungen unterstützt."
Aber auch die evangelischen Pfarrgemeinden kämpfen mit Austritten. Laut Statistik traten in den letzten drei Jahren in der Pfarrgemeinde Fürstenfeld insgesamt 18 Evangelische aus und 13 wieder ein. In Feldbach waren es acht Austritte gegenüber sechs Eintritten. Das Grundproblem ist laut Bürbaumer dasselbe wie bei den Katholiken: Der Kirchenbeitrag. "Damit ist nicht die Höhe gemeint, sondern grundsätzlich der Umstand, dass bezahlt werden muss", so die evangelische Pfarrerin.
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Fakten
Von den 26 Dekanaten, die der Diözese Graz-Seckau unterstehen, befinden sich die Dekanate Feldbach und Waltersdorf in der Südoststeiermark.
Die Dekanate decken sich aber nicht exakt mit den politischen Bezirken.
47.043 Katholiken lebten 2008 im Dekanat Feldbach, 22.121 im Dekanat Waltersdorf.
2008 traten im Dekanat Feldbach 66 Katholiken aus und 15 wieder ein. Im Dekanat Waltersdorf traten 73 aus und sieben wieder ein.
In der Südoststeiermark gibt es drei evangelische Pfarrgemeinden: Fürstenfeld, Feldbach und Fehring.
Im Jahr 2008 lebten im Bezirk Fürstenfeld 920 Evangelische, im Bezirk Feldbach 563.









