Ohne Mann kein Visum und keine Einreise
Neudauer wollten Schwägerin aus Weißrussland zu Weihnachten einladen: Die Frau erhielt kein Visum, weil sie unverheiratet und kinderlos ist.

Foto © APAKeine gemeinsame Weihnachtsfeier, weil die Weißrussin unverheiratet ist
Noch nie hat Valentina P. aus Weißrussland ihre beiden älteren Schwestern, die in Neudau verheiratet sind, in ihrer neuen Heimat besucht. Diese Weihnachten sollte es für die 33-Jährige so weit sein: Mit der offiziellen Einladung, der Arbeitsbestätigung ihres Schwagers, bei dem sie zu Gast sein sollte, und dem geforderten Krankenversicherungsnachweis in Österreich glaubte sie alle Unterlagen komplett zu haben. Die deutsche Botschaft in Minsk - Österreich hat keine Vertretung im Land - sollte das Visum ausstellen.
Unverheiratet.
"Ihr wurde gesagt, dass die Unterlagen in Ordnung seien. Sie sollte nur eine Bestätigung nachbringen, dass für ihre pflegebedürftige Mutter gesorgt sei", schildert der zweite Schwager, Gerald Stark aus Neudau. Als sie vergangenen Freitag damit in die Botschaft kam, hieß es plötzlich: "Kein Visum!" Der offizielle Grund, der Stark empört: "Sie ist unverheiratet und kinderlos." Die Gebühr für die Visaausstellung sei dennoch einbehalten worden - immerhin 60 Euro, in Weißrussland viel Geld. Stark: "Das ist menschlich eine Pflanzerei."
Lebensmittelpunkt.
Ehe- und Kinderlosigkeit sei kein Hindernis für eine Visaerteilung, hält Peter Launsky vom Außenministerium auf Anfrage der Kleinen Zeitung fest. "Ich kann mir, vorsichtig gesagt, nur vorstellen, dass die deutschen Kollegen auf Grund der Konstellation Zweifel an einer Wiederausreise hatten", sagt der Ministeriums-Pressesprecher. Wenn zwei Schwestern schon in Österreich lebten und kein Partner oder Kind zuhause warte, falle es womöglich leichter, den Lebensmittelpunkt zu verlagern. Das lässt Stark nicht gelten: "Schließlich hafte ich als Einladender schriftlich auch für die Ausreise."
Nachforschungen.
Zur Prozedur hält Launsky fest, dass die deutsche Botschaft in Minsk das Visum nicht ablehnen, sondern den Fall nur an die österreichische Botschaft in Moskau verweisen könne. "Eine bereits bezahlte Gebühr wird dann nicht noch einmal eingehoben", erklärt Launsky. Er verspricht jedenfalls Nachforschungen.
Weihnachten.
"Von der österreichischen Botschaft war in Minsk keine Rede. Das muss einem doch gesagt werden", hofft Gerald Stark noch auf ein "Weihnachtswunder". Er hat sich auch an Landtagsabgeordneten Wolfgang Böhmer um Unterstützung gewandt.














