Schatz wurde neu gerahmt
Vor knapp 350 Jahren wurde der Originaleinband des Vorauer Evangeliars "versilbert". Nun erhält das Buch einen neuen "Umschlag".

Foto © APAuch diese Bücher von Benjamin Franklin könnten einen neuen Umschlag gebrauchen.
Um dieses Buch zu retten, ließ ein Propst des Stiftes Vorau sein Leben in den Flammen des Stiftsbrandes vor knapp 800 Jahren. Schon damals galt das Vorauer Evangeliar als große Kostbarkeit des Augustiner Chorherrenstifts, auch heute ist es eines der wertvollsten Bücher der Oststeiermark. Den 30-jährigen Krieg (1618 -1648) überdauerte das Buch jedoch nur teilweise: Um Geld für die Kriegssteuer aufzubringen, wurde der Schmuckeinband "versilbert". Nur hölzerne Buchdeckel umgaben seither das kostbare Werk.
Neues Äußeres. Doch nun erhielt die mittelalterliche Handschrift ein neues Äußeres. Durch einen Kontakt zwischen dem im Vorjahr verstorbenen Stiftsarchivar Ferdinand Hutz und der Abteilung für Metalldesign der HTL Steyr entstand die Idee, dem Buch einen neuen "Umschlag" zu verpassen. Dabei wollte man sich weitgehend ans Original halten. Im 17. Jahrhundert wurde das so beschrieben: "mit silber ganz überzogen undt überguldt sambt eingesetzten edlgstain an eckhen undt in der mitten." Aus zwei Vorschlägen der Schüler entschied man sich für die Darstellung der Symbole der vier Evangelisten.
Codex 346. Die im Inventar nüchtern als Codex 346 bezeichnete Handschrift liegt heute meist in einem abgedunkelten und feuersicheren Tresorraum. Für einen Zweck wird das Evangeliar aber immer noch verwendet: Anlässlich der Ablegung des Ordensgelübdes neuer Chorherren. "Das war in letzter Zeit selten der Fall. Leider", bedauert Propst Gerhard Rechberger.













