700 Mitarbeiter zittern um ihren Job
Die Fürstenfelder ACC muss Insolvenz anmelden. Die Herausforderungen, um das Unternehmen weiterzuführen, sind groß. Doch die Chance lebt.

Foto © Gerald Hirt
Kurz vor Weihnachten ist es nun traurige Gewissheit. Der größte Arbeitgeber der Region, die Fürstenfelder ACC Austria mit rund 700 Mitarbeitern, hat Insolvenz angemeldet. Es ist die größte steirische Insolvenz des heurigen Jahres. Beantragt wurde ein Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung. Die Hoffnung, dass sich das Unternehmen so sanieren kann und die Arbeitsplätze gerettet werden können, lebt.
Die Stimmung in Fürstenfeld ist freilich gedämpft. Es gibt aber Durchhalteparolen. "Wir bemühen uns, die Sache einigermaßen positiv zu sehen. Gekündigt soll ja zumindest jetzt keiner werden", lässt sich ein Mitarbeiter am Parkplatz vor der Firma ACC entlocken. Ein anderer meint mehr zu wissen: "Als voriges Jahr unser langjähriger und sehr erfolgreicher Geschäftsführer überraschend abberufen wurde, war uns klar, was jetzt kommt: Die Italiener wollen unser Werk umbringen, mit Claus Repnik an der Spitze wäre das allerdings nicht gegangen."
Informationen, dass zumindest während der Abwicklung des Sanierungsverfahrens, also in den nächsten drei Monaten normal weitergearbeitet wird, hat auch die Fürstenfelder AMS-Chefin Elisabeth Szammer: "Hinsichtlich Personal heißt das, dass jetzt einmal nichts passiert. Und ich bin guten Mutes, dass es den Verantwortlichen gelingt, innerhalb der Frist mit den Gläubigern zurechtzukommen."
Der Weg zur erhofften Sanierung wird steinig, das ist bereits jetzt klar. Die Passiva des Kühlkompressor-Spezialisten belaufen sich laut der Kreditschutzverbände KSV 1870 und AKV auf etwa 91,5 Millionen Euro. Ihnen stehen Aktiva von knapp 55 Millionen Euro gegenüber.
473 Gläubiger
Die Insolvenzgründe sind vielschichtig. Wie Geschäftsleiter Rüdiger Istel zuletzt im Gespräch mit der Kleinen Zeitung betonte, ist die Auftragslage in Fürstenfeld durchaus gut. Die wirtschaftliche Schieflage wird auf die Insolvenz der italienischen Mutter zurückgeführt, zudem befindet sich die deutsche Tochter in Insolvenz, auch die chinesische Tochter kämpft mit erheblichen Schwierigkeiten.
Die Geschäftsführung betont: Wird der Sanierungsantrag angenommen, seien die Arbeitsplätze nicht in Gefahr.
Den 473 Gläubigern wird die Mindestquote von 30 Prozent geboten (zahlbar binnen 24 Monaten). Die Gläubiger müssen dem Angebot binnen 90 Tagen zustimmen. Die Gläubigerversammlung wurde für 15. Jänner anberaumt.
Die Herausforderungen? Zum einen muss der laufende Betrieb finanziert werden, was, so steht's auch im Insolvenzantrag - auch beim aktuellen Mitarbeiterstand - möglich sein sollte. AKV-Kreditschützer Franz Blantz sieht aber noch offene Fragen. So sei entscheidend, welche der offenen Forderungen ACC Austria beim Insolvenzverfahren der italienischen Mutter geltend machen kann. Es geht um rund 14 Millionen Euro. Und wie viel durch den geplanten Verkauf der chinesischen Tochter lukriert werden kann.
Der Standort in Fürstenfeld ist nicht nur ein Produktionsstandort, sondern dient auch als Konzernstandort der ACC Gruppe für Forschung und Entwicklung im Bereich Haushaltskompressoren.
Features
Zum Thema
Fakten
ACC Austria wurde 1982 gegründet, der Umsatz lag zuletzt bei 167 Millionen Euro. Die Exportquote liegt bei 95 Prozent.
Österreichweit reiht sich die Insolvenz von ACC mit fast 700 Mitarbeitern 2012 ganz vorne ein.














